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Schwarze Braut – Rezension zu Toni Morrisons „Gott, hilf dem Kind“

„Gott, hilf dem Kind“ von Toni Morrison, April 2017 (Rowohlt Verlag)

Toni Morrison wurde 1993 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Ihr neues Buch „Gott, hilf dem Kind“ fasziniert allein schon durch das Cover mit der Silhouette einer farbigen Frau in weißer Kleidung auf weißem Hintergrund. Als ich bei einer Lesung einen näheren Einblick in die Geschichte erhielt, war ich angetan. Ich nahm es zum Anlass, auch einmal ein Buch der preisgekrönten Autorin zu lesen, die vor allem bekannt für ihren Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe in Amerika ist.

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Gott, hilf dem Kind von Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison

Inhalt

Als Lula Ann auf die Welt kommt, erschrickt ihre Mutter über die tiefschwarze Haut ihres Kindes und erzieht es mit Härte zu strengem Gehorsam und Unterwürfigkeit. Es soll vor Angriffen des täglichen Rassismus bewahrt werden. Die fast einzige Anerkennung durch liebevolle Zuneigung erhält Lula Ann, als sie als Kind eine Frau hinter Gittern bringt, die der Misshandlung an Kindern angeklagt wurde. Ihr Mutter nimmt sie dafür auf dem Rückweg an die Hand.

Als erwachsene Frau benennt sich Lula Ann in „Bride“ (Braut) um und entschließt sich, nur noch weiß zu tragen, was dazu führt, dass sie ab dem Zeitpunkt mehr mit Bewunderung als mit Blicken der oft so bekannten Verachtung betrachtet wird. Sie gewinnt an Selbstbewusstsein und gelingt es in der Modebranche durch eine eigene Produktlinie erfolgreich zu werden.

Als sie eines Tages jedoch blutüberströmt nach Hause kommt und ihr Freund plötzlich sich kurz darauf von ihr trennt, gerät ihr Leben aus den Fugen. Ihr Körper beginnt sich zurückzuentwickeln, zu dem eines Kindes …

Kritik

Toni Morrison gelingt es mit Gefühl die Geschichte um Lula Ann zu erzählen und dabei im Hintergrund die stetige Konfrontation mit Rassismus und Diskriminierung aufzuzeigen, was in den Köpfen vieler Amerikaner weiterhin existiert und gesellschaftlich sich bis in die privaten Beziehungen hineinträgt. In Zusammenhang mit Rassismus wird auch das Thema Missbrauch behandelt. So greift das Buch ernsthafte gesellschaftliche Problematiken auf, thematisiert in einem emotionalen, ergreifenden Plot. Man fühlt mit Bride mit, auch wenn ihre „coole“ Fassade erst mit der Zeit „bröckelt“.

Obwohl ich persönlich anfangs durch die Perspektivwechseln der verschiedenen Protagonisten, aber auch aufgrund von Zeitsprüngen erst einmal in die Geschichte hineinkommen musste, tut es der Geschichte keinen Abbruch. Im Gegenteil: Durch die Perspektivwechsel und Veränderungen von Zeit und Ort entsteht eine fragmentartige Erzählweise, die an ein Essay erinnert, aber so auch Spannung aufbaut. So ergibt sich erst mit der Zeit ein ganzheitliches Puzzle verschiedener, einzelner Handlungsstränge.

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Mich hat es sehr bewegt!

 

Fazit

Gott, hilf dem Kind, zeigt wie anspruchsvoll und mit welcher Professionalität Toni Morrisons Schreibstil ist und dass sie den Titel der Nobelpreisträgerin definitiv verdient. Sie ist mittlerweile über 80 Jahre alt und hat weiterhin ein Talent modern und voller Lebensfreude zu schreiben und dabei ernsthafte Themen unserer Gesellschaft bewegend darzustellen. Meine Empfehlung: Ihr solltet unbedingt etwas von Toni Morrison gelesen haben, gern Gott, hilf dem Kind!

Auch Spannend

Sommerempfehlungen der Buchbox – Die Lesung, bei der ich auf Toni Morrisons Neuerscheinung aufmerksam wurde.

Spiegel Online (10/2016): Toni Morrison. Ein Preis und ein neuer Roman

Zeit-Online (1993): Alte Geschichten – Für „Jazz“ erhielt sie den Literatur-Nobelpreis.

 

 

6 Gedanken zu „Schwarze Braut – Rezension zu Toni Morrisons „Gott, hilf dem Kind“

  1. Du hast bestimmt Recht damit, dass man etwas von Toni Morrison gelesen haben muss, und doch habe ich es bisher nicht getan…:(
    Deine Rezension gibt mir aber auf jeden Fall den nötigen Schub, mir endlich eines ihrer Werke zuzulegen!
    Liebe Grüße

  2. Jetzt hat dein Kommentar bei uns mich zum Glück daran erinnert, dass ich ja diesen Post noch lesen muss. Es klingt sehr interessant und schonmal ganz anders als ich es mir vorgestellt habe, vor allem was den Erzählstil angeht, den du erwähnt hast. Ich hoffe, ich komme bald dazu es zu lesen. Hast du auch schon andere Bücher von Toni Morrison gelesen?

    Bist du nächste Woche Donnerstag wieder bei Brot und Bücher dabeiß 🙂

    1. Es ist mein erstes Buch von Toni Morrison. Ihre Bücher handeln allerdings oft von ähnlichen Themen, daher werde ich mal schauen, ob ich noch eins von ihr lese. Jazz würde mich sonst noch interessieren.

      Ich werde wohl dieses Mal leider nicht bei Brot und Bücher dabei sein können :-(. Ich werde dann alternativ auf euren Bericht zurück greifen und das nächste Mal wider dabei sein! Liebe Grüße

      1. Hey, ich habe es leider dieses mal nicht geschafft einen Bericht über die Veranstaltung zu schreiben. Zum Glück gibt es genügend andere Bücher, die man lesen kann, es sollte dir also trotzdem nicht an Lesestoff mangeln :D. Wir haben dieses mal beide auch nix gekauft. Ich hoffe, beim nächsten mal klappt es dann bei uns allen wieder und dann schaffe ich es auch wieder einen Bericht zu schreiben,

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