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Tabuthema Aids – Eine Rezension zu „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause von Carol Rifka Brunt handelt von Freundschaft und Liebe in Zusammenhang mit Verlust. Was ist wenn ein geliebter Mensch stirbt und man plötzlich ohne ihn sein Leben bestreiten muss? Es ist eine Geschichte, die ich aus den Händen legte mit den Worten: Beeindruckend, aber auch verstörend – wie soll ich diesen Roman in einer Rezension in Worte fassen?

Aids, ein Tabuthema in den 80er Jahren, eine unberechenbare Krankheit und damals unvermeidlich verknüpft mit Homosexualität. Letzteres bedeutete ausschweifend und entgegen klassischer Konventionen zu leben. Aids war womöglich die Strafe dafür? Welche Frage dabei ausblieb, ist, wie sich die Betroffenen und die Familienangehörigen und Freunde fühlten. So wie es zum Beispiel Junes mit ihrem Onkel Finn erging…

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„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt

Inhalt

Finn ist nicht nur Junes Onkel und Pate, sondern es verbindet sie eine ganz besondere Freundschaft . Finn hat allerdings nur noch wenige Tage zu leben, da er sich mit HIV infiziert und die Krankheit Aids ausgebrochen ist. Da Finn Junes engster Verbündeter ist, versucht sie die Krankheit auszublenden und möchte noch so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen. Künstler Finn möchte als seine letzte Widmung ein Gemälde von ihr und ihrer größeren Schwester Greta anfertigen. Es ist die ideale Gelegenheit, um sich noch einmal wöchentlich jeden Sonntag zu sehen.

Greta hingegen würde die Sonntage am liebsten anderweitig verbringen. Entgegen ihrer Schwester hat sie viele Freunde. Sie liebt das Theater und den Gesang, sie hat Talent und dahingehend soll sich ihr eine besondere Chance ergeben. Außerdem beneidet sie June um die besondere Beziehung zu Finn und vermisst gleichzeitig die gemeinsame unzertrennliche Zeit mit ihrer Schwester, als sie noch klein waren.

June verkriecht sich nach dem Tod ihres besten Freundes am liebsten an ihrem Lieblingsort im Wald, wo sie Wölfe zu hören scheint und gedanklich Zeitreisen in das von ihr geliebte Mittelalter machen kann. Greta ist rastlos und macht die Nächte zum Tag. Sie und June entfernen sich immer mehr von einander. Das Gemälde von Finn schwebt zudem wie ein Damoklesschwert über die Familie.

Als eines Tages ein junger Mann vor der Tür steht und June ein Paket gibt, soll sich ihr Leben verändern und ihr die Möglichkeit geben, den wahren Finn im Nachhinein kennen zu lernen. Es ist Tobi, von dem alle sagen, er habe Finn mit Aids angesteckt….

Kritik

Verschiedene Handlungsstränge zu den einzelnen Protagonisten, vor allem zu June, Greta, Finn und Tobi bewirken, dass das Buch unglaublich vielschichtig in seinem Geschehen ist und einen emotional sehr berührt. Man möchte einfach weiterlesen und die Protagonisten verstehen und kennen lernen, mit ihnen mitfühlen, streiten und bangen. Man lernt außerdem die Welt der 80er Jahre kennen, in der gesellschaftliche Konventionen und die eigene Wirkung nach außen zählten. Homosexualität und Aids wurden tabuisiert, sowohl Betroffene als auch Angehörige redeten nicht darüber.

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Ein All Age Roman mit dem Hintergrundthema Aids in den 80er Jahren

Weiterführend geht es in dem Roman vor allem auch darum, wie wichtig zum einen Freundschaft ist und wie diese über Verlust hinweghelfen kann, wie schnell zum anderen aber auch Missverständnisse und fehlende Kommunikation Liebe und Freundschaft gefährden können.

Interessant ist darüber hinaus die Thematik der verbotenen Liebe, die in dem Buch in verschiedenen Handlingssträngen zum Tragen kommt. Auch wenn ich dahingehend manche Aspekte unrealistisch und als sehr weit hergeholt empfand, so zeigt es vor allem in Bezug auf Homosexualität, dass Liebe unergründlich und nicht in gesellschaftliche Konventionen gezwungen werden darf.

Das Buch ist aus Junes Sicht und damit aus der Perspektive eines jungen Mädchens geschrieben, was dem Buch noch einmal einen ganz eigenen Charme verleiht. Man empfindet nach, wie es ist, als junger Mensch eine geliebte Person zu verlieren sowie Liebe und Freundschaft zu empfinden.

Fazit

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause gibt einem Aufschluss über eine ernsthafte Thematik, die heutzutage fast schon wieder verharmlost scheint, Aids und HIV. Immer wieder erstaunt es, wie gedanklos manche mit dem Thema sexuelle Verhütung umgehen.

Der Roman ist gleichzeitig eine wundervoll mitreißende Geschichte voller Leichtigkeit über Freundschaft und Liebe. Der Roman ist sowohl vom Inhalt als auch von der Emotionalität her ein vielschichtiger und empfehlenswerter Roman.

4 Gedanken zu „Tabuthema Aids – Eine Rezension zu „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“

  1. Ich habe das Buch letzten Monat auch gelesen und war auch begeistert! Endlich mal ein Buch bei dem der Hype wirklich gerechtfertigt ist!
    Zum Thema AIDS: inzwischen ist das Thema auch deshalb „verharmlost“ weil es einfach medikamentös gut behandelbar ist und die Erkrankten zumindest in Mitteleuropa fast ohne Symptome weiter leben können. In den 80er Jahren war die Situation eine ganz andere, da sind die Menschen tatsächlich sehr qualvoll gestorben da die Krankheit noch unerforscht war. (Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, war damals in June’s Alter).

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