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Dunkles Farbenspiel der Freundschaft – Rezension zu Mareike Fallwickls „Dunkelgrün fast schwarz“

Mareike Fallwickls Debüt „Dunkelgrün fast schwarz“ erschienen im März 2018 Frankfurter Verlagsanstalt

Ein Farbenspiel, das in der ersten Jahreshälfte in aller Munde zu sein schien und viele Blogs und Social Media-Accounts schmückte? Das betraf wohl eindeutig die Farbnuance „Dunkelgrün fast schwarz“, der Titel des Debütromans der Journalistin und Literaturbloggerin Mareike Fallwickl. Da ich ihren Blog Bücherwurmloch selbst gern besuche, verfolgte ich gespannt die Debatte zur Neuerscheinung der jungen Autorin. Viele Buchblogger und Literaturkritiker überschlugen sich mit positiven Rezensionen und die Lesungen waren schnell ausverkauft. Auf der Leipziger Buchmesse bestaunte ich sogar die leeren Auslagen des Verlags, da scheinbar alle das Buch direkt nach der Lesungen kaufen wollten. Nominiert ist das Buch auch für den Hotlist Preis 2018, der die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen prämiert.  Nun habe auch ich endlich den Roman gelesen und verrate euch, ob das Buch auch bei mir ins (Dunkelgrüne bis) Schwarze getroffen hat:

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„Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl

Inhalt

Moritz und Raffael, die sich untereinander nur Motz und Raff nennen, verbindet eine besondere, langjährige Freundschaft. Seit sie Kinder sind, scheint ein unzertrennliches Band ihre Freundschaft zu besiegeln.

Moritz hat die Vergangenheit eigentlich ruhen lassen. Er hat mit dem Zeichnen aufgehört, obwohl er weiterhin eine Gabe besitzt. Er kann das Leuchten der Farben sehen, welche Menschen umgibt und es auf’s Papier bringen. Raffael beneidet er für seine Dominanz und Selbstbewusstsein sowie vor allem für seine Wirkung auf Frauen. Marie, Moritz Mutter, durchschaut jedoch schnell Raffaels rebellischen, düsteren Charakter bereits im Jugendalter und versucht ihren Sohn zu beschützen. Als Waisin Johanna das jugendliche Zweiergespann aufbricht, sieht man sie nur noch zu dritt und Moritz beginnt neu aufzublühen. Jedoch nach dem Abitur scheint alles anders und ihre Wege trennen sich plötzlich und unerwartet. Nun sechzehn Jahre später, als Raff plötzlich vor Motz‘ Tür steht, scheinen sich die besten Freunde wiederzufinden, jedoch auch in alte Muster zu verfallen…

Kritik

Mareike Fallwickl hat ein Talent für Sprache — vor allem das Farbenspiel, das Moritz umgibt, gelingt ihr facettenreich auf’s Papier zu bringen. Im Verlauf der Geschichte entsteht ein reißender Strudel voller Gefühle, Ereignisse und Unausgesprochenes, welcher einen nicht mehr loslässt. Als Leser fiebert man mit, wird wütend und trauert. Man begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart gemeinsam mit den Freunden Moritz und Raffael, die ungleicher nicht sein könnten und so auch eine ungleiche, unausgeglichene Freundschaft verbindet. Man möchte auf der einen Seite , dass das Band der Freundschaft wächst, aber auf den anderen Seiten die Freunde sich direkt wieder trennen sehen.

Jedoch dauert es für meinen Geschmack leider zu lang, bis es zu diesem Bann des Buches kommt, streng genommen dauerte es bei mir fast 200 Seiten. Zwar ergeben viele Erzählstränge, die sich zu Beginn in der Vergangenheit und Gegenwart aufbauen für den Handlungsverlauf Sinn, hätten dennoch gekürzt oder mehr im Spannungsverlauf des Geschichte integriert werden können. Auch wurde ich mit manchen Protagonisten der Geschichte nicht warm, da ich ihre Entscheidungen und Handlungen wenig bis gar nicht nachvollziehen konnte. Meiner Meinung nach kratzt die Autorin vor allem bei einem der Charaktere bis zum Schluss zu sehr an der Oberfläche und lässt einen nicht wirklich an deren inneren Gefühlswelt teilhaben, weshalb man zu dem Protagonist noch weniger Bezug aufbaut. So hätte ich mir insgesamt mehr Tiefgang sowie einen schnelleren Spannungsaufbau gewünscht.

Was mir an der Geschichte wiederum gefiel, ist, dass Freundschaft das Leitthema bildet und aufzeigt, dass Freundschaft auch nicht immer nur  gut tun, sondern Menschen negativ beeinflussen und hemmen kann. Man darf Freundschaften auch dahingehend hinterfragen, ob sie im Laufe der eigenen Persönlichkeitsentwicklung noch stand halten können.

Ein Debütroman

Fazit

Dunkelgrün fast Schwarz konnte zwar nicht gänzlich meine Erwartungen erfüllen, die allerdings aufgrund der überschwänglichen positiven Kritiken in Literaturkreisen und von Bloggern vermutlich bereits sehr hoch waren. Nichtsdestotrotz fand ich es ungeachtet dessen das Debüt der Autorin eine mitreißende Lektüre voller Emotionen und mit sprachlicher Eleganz, die sich so wunderbar als (Spät-)Sommerlektüre eignet. Das Talent zum Schreiben von Mareike Fallwickl ist vielversprechend und ich bin gespannt, was als Nächstes kommen wird.

Weiterführende Links

Süddeutsche: Die Bestie in Menschengestalt (April/2018)

WDR: Mareike Fallwickl Dunkelgrün fast schwarz (Juni/2018)

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