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#mehrlesen 2 – neues Imagemarketing für Bücher

Teil 2 meiner kleinen Kolumne #mehrlesen: Ideen, um insgesamt wieder mehr Menschen für Bücher zu gewinnen

Im Café mit dem Handy auf einen Freund warten, ist kein Problem. Auf dem Arbeitsweg auf’s Handy schauen, scheint in der Gesellschaft Normalität geworden zu sein. Auf’s Handy gucken, obwohl wir uns gerade mit Freunden treffen, ist auch nichts Unnormales mehr.

Und wenn wir jetzt das Handy in den angesprochenen Situationen jeweils mit einem Buch ersetzen würden? Dann fänden es manche anfangs komisch: „Waaas? Allein im Café, nur mit einem Buch? Dann denken doch alle, dass ich keine Freunde habe. Das habe ich nicht nötig“ „Du kannst doch nicht während des Gehens ein Buch lesen. Achte lieber auf den Weg!“ „Beide ein Buch lesen, wenn man sich mit Freunden trifft? Das ist irgendwie ungesellig…“

Eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gab bekannt, dass es insgesamt einen Verlust von bis zu sieben Millionen Lesern gäbe. Das betrifft aber keineswegs Kinder, falls man vor allem ihnen chronische Fernseh- und Handysucht zusprechen will, sondern es geht um die Generationen 18 +. Bei Kindern geben wir uns noch Mühe, dass sie lesen lernen und regelmäßig Bücher in die Hand nehmen, aber bei uns selbst? Immer mehr lesen nur noch flüchtig auf dem Handy, sind einer Reizüberflutung erlegen und können sich nicht mehr konzentrieren. Sie lesen deshalb weniger Bücher.

#Mehrlesen Teil 2 Aufgeblättert
Wie gewinnen wir mehr Leser insgesamt?

1) Lesen braucht ein besseres Image! – Gern lesen bedeutet gleich ein Soziopath zu sein. Im Gegenteil: Man kann sich wunderbar mit Freunden über die Bücher austauschen, die man gerade liest oder gar gleichzeitig gleiche Titel lesen. Danach kann sich wunderbar über unterschiedliche Eindrücke austauschen. Lesen als Hobby sollte das Image verlieren, etwas für Einzelgänger und Träumer zu sein. Es gibt so viele verschiedener Bücher, dass bestimmt für jeden etwas dabei ist. Ihr wollt persönlich mehr lesen? Dann schaut mal in den Teil 1 von #mehrlesen

2) Ein Netflix für Bücher!: das klingt verrückt, aber mal ernsthaft – es müsste eine Plattform geben, wo man sehen kann: „Wenn sie dieses Buch gelesen haben, dann mögen Sie vielleicht auch?….“. Netflix und Amazon Prime sind so bequem. Abends nach Hase kommen und entspannt eine Serie schauen. Netflix ist ein Trend geworden, zumal Serien und Filme wunderbar in Gesellschaft funktionieren.

Als ich mich neulich mit Freunden unterhielt, warum es insgesamt weniger Leser gäbe, bekam ich diese Anregung eines Bücher-Netflixes und ich finde die Idee gut und diskussionswürdig: Es gibt bereits Buchcommunitys wie Vorablesen.de, Lovelybooks.de oder die englische Version Goodreads.com, auf denen man sich anmelden kann, Bücher in virtuelle Bücherregale stellen und Merklisten mit Büchern anlegen kann, die man noch lesen will sowie die Möglichkeit hat, eigene Rezensionen zu schreiben. Es gibt regelmäßige Gewinne und Leserunden, in denen man sich austauschen kann.

Allerdings sind die Buchcommunitys eher unter Buchliebhabern bekannt. Und es fehlt in diesem Zusammenhang die unmittelbare Kaufmöglichkeit der Bücher bzw. eine Art Abonnement wie bei Netflix. Insofern wäre es eine Idee, eine Plattform zu gründen, die Empfehlungen anbietet und gleichzeitig Abonnements zur Verfügung stellt. Beispielsweise könnte man dort häufiger Leseproben kostenlos online bereitstellen oder auch mal das eine oder andere Buch kostenlos zusenden.

Einige Buchhandlungen bieten übrigens solche Abonnements mit Versand nach ganz Deutschland an, unter anderem: Heymann Buchhandlungen und stories-Buchhandlung in Hamburg , oder die Buchhandlung Klein in Baden-Württemberg, Rottweil sowie auch in Berlin die Buchboxen – allerdings muss man hierfür schon etwas mehr ins Portemonnaie greifen. Das hängt sicher auch mit der Buchpreisbindung zusammen, weshalb auch im Paket die Bücher nicht günstiger angeboten werden können. Dazu kommt noch der Versand.

3) Werbung für Bücher machen! Ein Grund, weshalb nur wenige Buchcommunitys kennen oder auch nichts von Bücherabonnements ihrer Buchhandlungen um die Ecke wissen, ist die fehlende Werbung. Leider fehlt es der Branche oft dazu an Geld. Jedoch ist Werbung als Marketingtool nicht unwichtig. Thalia macht es vor und wird nun auch mit Fernsehwerbung an den Start gehen. Es muss nicht gleich die Fernsehwerbung sein, doch sollten meines Erachtens Buchhandlungen in Werbung investieren, sei es mit Anzeigen oder sogar mit einem Bericht über die Buchhandlung in Regionalblättern und Stadtmagazinen. Positiv hervorzuheben sind hier auch die Bücherhallen, also Bibliotheken Hamburgs. Literaturkritikerin und Buchbloggerin Karla Paul macht Werbung auf Plakaten und zwigt: hey Lesen und Bibliotheken sind cool. Das könnten meiner Meinung nach nochmrhr Sradtbibliotheken nachahmen.

5) Buchhandlungen geht online! Es ist heutzutage mehr als wichtig, allgemein einen Online-Auftritt zu haben, egal was man anbietet und so entsprechend auch als Buchläden. Noch besser ist es auf Facebook oder Instagram als soziale Plattformen präsent zu sein und auf sich als Buchhandlung und über Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Social Media s:ind heutzutage die besten Wege, neue Leser zu akquirieren. Der Spitzenreiter diesbezüglich ist für mich die Buchhandlung Ocelot aus Berlin: #lieblingsbuchhandlung Ocelot

4) Buchhandlungen sollten Treffpunkte werden! Aufkommende Marketingstrategien der Buchhandelketten Thalia und Hugendubel bezuehen sich darauf, das Image von Buchhandlungen insgesamt aufzupeppen. Diese sollen mehr als Treffpunkte mit Leseecken und Working Spaces gesehen werden. Auch viele kleine Buchhandlungen probieren das schon. In der Buchhandlung stories in Hamburg – Erzähle mir eine Geschichte, #lieblingsbuchhandlung stories! – kann man zum Beispiel an einem großen Tisch verweilen und sicher auch still arbeiten.

Diesen Ansatz finde ich gut: Buchhandlungen sollten weniger als Läden sondern als Treffpunkte auftreten. Gerade die Möglichkeit auch in Buchläden arbeiten zu können und bei einem Kaffee in ein Buch hineinzulesen, könnte den einen oder anderen Kunden anziehen. Vermutlich sollten in diesem Zusammenhang auch mehr Buchhandlungen und Bibliotheken zusammenarbeiten. Bei dem einen kann man lesen, bei dem anderen kaufen…. Ein Impuls einer Bibliothekarin dazu: Bibliotheken sind eine Art „all you can read buffet“ – sehr schön!

Auf jeden Fall sind kreative Konzepte wichtig. Buchhandlungen brauchen Alleinstellungsmerkmale, die neue Leser anziehen!

5) Lesungen sollten Konzerte sein! Auf Musik und Bands werden wir heutzutage besonders über Konzerte und Festivals aufmerksam. Filme entdecken wir im Kino. Dementsprechend sollten auch Lesungen diese Funktion übernehmen können. Deshalb ist meine Anregungen an Autoren, kreativer zu werden. Lesungen müssen als Erlebnis zu gestalten. Gerade diejenigen, die keine Vielleser sind, müssen das Gefühl bekommen, nicht nur auf eine Lesung zu gehen sondern an einer „coolen Veranstaltung“ teilzunehmen.

6) Bücher lesen ist retro! Bücher lesen passt wunderbar in den neuen Retro-Trend, also alte traditionelle Dinge wie Schallplatten, Fotoapparate mit Filmen oder VW Bullis wieder salonfähig zu machen. Dazu passt auch Bücher lesen und über diese zu reden. Buchblogger können da ein Vorbild sein. Ihr wollt modern sein und im Trend liegen? Dann legt mal los mit dem Lesen ;-)!

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Bücherflut – eine isländische Tradition

7) Bücherflut – Und nun seid ihr gefragt! Ähnlich wie bei allem, müssen wir klein anfangen. Nutzt also das Weihnachtsgeschäft und überflutet die Geschenkeberge unterm Weihnachtsbaum mit Büchern. Es ist eine schöne Tradition aus Island. Bald wird es dazu einen Katalog geben mit Buchtipps und Empfehlungen verschiedener Blogger, Verlagsmitarbeiter und Buchhändler. Seid gespannt (vielleicht bin ich ja auch dabei). In jedem Fall werde ich euch auf meinen Social-Media-Kanälen auf dem Laufenden halten! Mehr zur Tradition lest ihr hier: Jólabókaflóð – Warum die alljährliche Bücherflut Islands eine der schönsten Weihnachtstraditionen ist

Bald wird es hier noch einen Beitrag zur Buchpreisbindung geben. Diesen Punkt möchte ich hier vorerst ausklammern. Plan ist es, Pro und Contras für die Entwicklung des Buchmarkts zu diskutieren – ergo ob die Buchpreisbindung das Kulturgut ausreichend schützt oder den Buchmarkt in seinen Möglichkeiten zu sehr begrenzt.

Habt ihr noch Ideen, wie man insgesamt wieder mehr Leser gewinnen könnte? Schreibt mir auch gern,wie ihr zu der einen oder anderen Idee steht!

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