umgeblättert

Vorabgeblättert Teil 2: Sachbücher

Vorschau Frühjahrsprogramm 2019 Sachbücher

Nachdem ich euch im ersten Teil vielversprechende Frühjahrs-Neuerscheinungen in der Kategorie Romane vorgestellt habe, kommt nun eine Auswahl an Favoriten in der Kategorie Sachbücher. Die folgenden vier Bücher greifen jeweils sehr aktuelle Themen auf: von Migration, steigendem Rechtsruck in unserer Gesellschaft bis hin zur Gleichberechtigung. Sie helfen meines Erachtens daher als Hintergrundliteratur, um jeweilige dazu geführte Kontroversen verstehen und nachverfolgen zu können.

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Ich habe viele Verlagsvorschauen für euch online und in Print durchgeblättert…

1 – „Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch“ von Sophie Passmann (erscheint am 07.03.2019, Kiepenheuer und Witsch)

Warum ich es lesen möchte:

Sophie Passmanns Beiträge im Radio, Fernsehen, in Zeitungen sowie auf Instagram sind immer von einem Hauch von Ironie und Sarkasmus umgeben, meist es sogar deutlich mehr als ein Hauch: Sie ist schonungslos ehrlich. In den Online-Medien wurde Sophie Passmann vor allem durch ihr witziges Video zu den letzten Bundestagswahlen bekannt. Dort nimmt sie Influencer auf die Schippe und macht ein „Unpacking“ zu Briefwalunterlagen – es ist die wohl schönste Werbung für Demokratie! Außerdem ist sie als Moderatin beim WDR5 und im Redaktionsteam von Jan Böhmermann tätig.

Nun bin ich auf ihr Buch gespannt. Da ich letztes Jahr einige Bücher über Feminismus, Emanzipation und Frauenrechte gelesen habe, hoffe ich sehr, dass Sophie Passmann noch einmal eine etwas andere Perspektive bietet und mich überraschen wird!

Klappentext:

»Beweis erbracht: Unbestechlichen Feminismus gibt es auch in lustig. Sogar in sehr lustig! Großartig!« Anne Will.

Sophie Passmann ist Feministin und so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und fragt nach: Ab wann ist man ein alter weißer Mann? Und kann man vielleicht verhindern, einer zu werden?

Sophie Passmann gehört zu einer neuen Generation junger Feministinnen; das sind Frauen, die stolz, laut und selbstbestimmt sind. Sie wollen Vorstandschefinnen werden oder Hausfrauen, Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides. Und sie haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Doch Sophie Passmann will Gewissheit statt billiger Punch-lines, deswegen trifft sie mächtige Männer, um mit ihnen darüber zu sprechen: »Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja – warum?« Die Texte, die daraus entstanden sind, gehören zu den klügsten und gleichzeitig lustigsten, die man hierzulande finden kann.

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Themengeblätter: Frauenpower

2 – „Das Netzwerk der neuen Rechten. Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern “ von Christian Fuchs und Paul Middelhoff (erscheint am 12.03.2019, Rowohlt)

Klappentext:

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein neues und einflussreiches rechtes Netzwerk aus Stiftungen, Vereinen, Medien und Kampagnen in Deutschland herangewachsen. Seit Jahren spüren Christian Fuchs und Paul Middelhoff ihm nach: seinen öffentlichen Seiten und denen, die im Dunkeln liegen.
Für das Buch sind sie durch Deutschland und Europa gereist und haben die wichtigsten Protagonisten der Szene getroffen. Sie waren geheimen Spender in der Schweiz auf der Spur und mit einem AfD-Politiker in Serbien unterwegs. Sie hatten Zutritt zum Haus der Identitären Bewegung, waren auf einem Festival der Guerilla-Aktivisten und und trafen den Chef von Deutschlands erfolgreichster Hetzseite zum Gespräch in dessen Küche. Während der Recherchen wurden sie bedroht, angelogen und gerieten in den Shitstorms einer rechten Trollarmee. Dieser Report enthüllt zum ersten Mal das ganze Ausmaß des Milieus – seine ideologischen Grundlagen, seine führenden Köpfe, seine wichtigen Zeitschriften, Verlage, Internet-Plattformen, Burschenschaften und die geheimen Finanziers. Viele Verbindungen führen zur AfD, die zum Gravitationszentrum der Strömung geworden ist. Die Autoren zeigen, wie die Neue Rechte versucht, die gesellschaftliche Mitte zu übernehmen. Ihre Erkenntnisse sind alarmierend.

Warum ich es lesen möchte:

Der Verfassungsschutz hat nun beschlossen, dass die AfD als Prüffall unter Beobachtung stehen soll, wobei vor allem die Jugendorganisation Junge Alternative und der rechte Parteiflügel um den Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke als Verdachtsfälle eingestuft werden. Das Thema „Neue Rechte“ ist entsprechend hochaktuell. Dennoch ist es kein Buch, das mit der heißen Nadel gestrickt wurde, um auf neueste politische und gesellschaftliche Ereignisse zu reagieren, sondern wirkt fundiert und aufschlussreich. Die Fakten in dem Buch basieren auf einer jahrelangen Recherche und Forschung.

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und Sachbuch-Favoriten, aber auch Romane (Teil 1) ausgewählt…

3 – „Eure Heimat ist unser Albtraum“ von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah (Hrsg.) (erscheint am 22.02.2019, Ullstein)

Klappentext:

Wie fühlt es sich an, tagtäglich als „Bedrohung“ wahrgenommen zu werden? Wie viel Vertrauen besteht nach dem NSU-Skandal noch in die Sicherheitsbehörden? Was bedeutet es, sich bei jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit der Eltern rechtfertigen zu müssen? Und wie wirkt sich Rassismus auf die Sexualität aus?

Dieses Buch ist ein Manifest gegen Heimat – einem völkisch verklärten Konzept, gegen dessen Normalisierung sich 14 deutschsprachige Autor_innen wehren. Zum einjährigen Bestehen des sogenannten „Heimatministeriums“ sammeln Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah schonungslose Perspektiven auf eine rassistische und antisemitische Gesellschaft. In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als »anders« markiert, kaum schützt oder wertschätzt.

Mit Beiträgen von Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Margarete Stokowski, Olga Grjasnowa, Reyhan Şahin, Deniz Utlu, Simone Dede Ayivi, Enrico Ippolito, Nadia Shehadeh, Vina Yun, Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir.

Warum ich es lesen möchte:

Fatma Aydemirs Roman „Ellbogen“ hat mich sehr bewegt: über ein Mädchen „Hazal“ aus einer türkischen Migrantenfamilie aus Berlin ohne Perspektive, ohne Motivation an ihrer scheinbar aussichtslosen Situation etwas ändern zu wollen. Sondern sie reagiert mit Aggression und Wut auf diese Aussichtslosigkeit. Es ist ein Buch über Heimatsuche. Ellbogen spielt zum großen Teil in der Türkei, wohin Hazal flieht, nachdem sie von der Polizei gesucht wird und so erstmals ihren Ursprüngen nachgeht. In „Eure Heimt ist unser Albtraum“ geht es mehr um die neue Heimat Deutschland und wie sich Migranten und Geflüchtete hier aufgenommen und integriert fühlen. Ich bin sehr auf die Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren über ihre Eindrücke zur neuen Heimat Deutschland gespannt.

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Über Ellbogen

4 – „Über alte Wege. Eine Reise durch die Geschichte Europas“ von Mathijs Deen (erscheint am 12.04. 2019, Dumont)

Warum ich es lesen möchte:

Es verspricht ein Buch zu werden, dass uns Europa in seiner Vielschichtigkeit durch Zeit und Raum mitnimmt und uns aufzeigt, was uns verbindet und Europa zu dem gemacht hat, was es heute ist. Weiterführend erhoffe ich mir (wenn auch entfernt) von dem Sachbuch, Europa als einen Kontinent verstehen zu können, der stetig von Migration sowie Zu- und Abwanderung geprägt war. Dieser Umstand sollte Europäer dazu bewegen, weiterhin für eine offene Gesellschaft einzustehen.

Klappentext:

Menschen reisen seit einer Million Jahre durch Europa. Unter jedem Fußabdruck befindet sich ein früherer, unter jeder asphaltierten Straße ein Esels- oder Karrenweg. Der niederländische Schriftsteller Mathijs Deen möchte unseren Blick für die großen Straßen Europas schärfen, spielen sie doch die heimliche Hauptrolle in der Geschichte unseres Kontinents. Denn von dem Augenblick an, als der erste Mensch von Afrika kommend europäischen Boden betrat, sind wir unterwegs. So nähert sich Mathijs Deen dem wahren Geist Europas, in dem er den Lebenswegen von Vertriebenen, Wegelagerern, Pilgern, Glücksjägern und Rennfahrern folgt, deren faszinierende Leben sie entlang der Küsten und über die Flüsse und Straßen Europas geführt haben – von Byzanz nach Rom, von Wassenaar nach Smolensk, von Paris nach Wien. Er porträtiert die ersten Europäer ebenso wie historisch verbürgte Personen. Dem Leser begegnen jüdische Flüchtlinge, Soldaten, isländische Eroberinnen und zwangsverheiratete römische Ehefrauen: ›Über alte Wege‹ nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Fahrt durch Europa und eine faszinierende Reise durch die Zeit.

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Ich freue mich durch diese Auswahl an Sachbüchern auf spannende Beiträge zu aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen und erhoffe mir neue Kenntnisse und Ansichten auf diese Themen mitnehmen zu können.

Insgesamt bin ich sehr gespannt, welche Bücher der zehn Favoriten (neben den vier Sachbüchern, sechs Romane aus dem ersten Teil)  meine Erwartungen erfüllen und welche mich vielleicht auch „enttäuschen“ könnten.

Welches Thema aus den angesprochenen Büchern interessiert euch, welches nicht so? Ist ein Sachbuch dabei, das ihr auch lesen wollt?

 

 

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