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Zero-Waste-Woche, ein Experiment

Schritt für Schritt zum nachhaltigen und plastikfreien Leben

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Als meine Mitbewohnerin mir vorschlug, dass wir doch einmal als WG eine Zero-Waste-Woche ausprobieren sollten und ich das mit meinem Blog begleiten könnte, reagierte ich zuerst etwas verhalten: „Ohje, Müll komplett vermeiden, funktioniert das überhaupt?“. Zwar beschäftigte ich mich nun schon einige Wochen aktiv damit, wie man Plastik vermeiden und insgesamt nachhaltiger leben kann, aber dennoch dachte ich mir: „Muss das gleich so radikal sein?“, sagte aber „Ok, let’s go“.

Denn je mehr ich den Gedanken in meinem Kopf umher kreisen ließ und ich den guten Willen in der Aktion sah, desto begeisterter wurde ich von der Idee. Also beschlossen wir quasi zehn Minuten später als Dreier-WG, das Experiment zu starten.

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Bücher über Nachhaltigkeit und Umweltschutz inspirierten uns.

Das Experiment: Die Zero-Waste-Woche

Ohne lang zu zögern, planten wir also eine Woche später, die Zero-Waste-Woche umzusetzen. Jeder sollte dabei seinen Müll separat aufheben, um vergleichen zu können. Später würde der ganze Müll dann als Gesamtergebnis zusammengelegt werden. Höchste Priorität hatte dabei der Plastikmüll, den es zu vermeiden galt. Auch Papier- und Glasmüll sollten vermieden werden, aber galten im Zweifel als Alternative. (Diese Verpackungsarten sind letztendlich dennoch deutlich besser als Plastik.) Ich nahm mir insgesamt vor, mal bewusst darauf zu achten, wo sich bei mir überall im Haushalt und im Alltag über all Plastik versteckt. Meine Mitbewohnerin zum Beispiel hat schon eine Weile das Bad für sich zu einem plastikfreien Raum umgewandelt. Das sah bei mir noch ganz anders aus, weshalb ich mir vornahm, entsprechende Produkte wie festes Shampoo oder feste Zahnpasta zum Probieren zu bestellen und zwar über den Online-Shop Naturalou (mit dem Risiko, dass ich Verpackungsmüll produzierte).

 

 

„Gar nicht so einfach“, dachte ich mir, als ich montags im Supermarkt stand und für die Woche einkaufen wollte. Lebensmittel wie Salat, Käse oder „kleine Früchte“ wie Himbeeren und Blaubeeren kann man eigentlich unmöglich unverpackt kaufen. Allgemein sind viele Lebensmittel unnötig in Plastik eingepackt (gerade Bio-Produkte sind häufig aus hygienischen Gründen extra verpackt). Und natürlich hatte ich direkt den Gemüsebeutel zu Hause liegen lassen und an eine Dose für die Frische-Theke zu denken, habe ich auch noch nicht verinnerlicht. Dennoch klappte es für den ersten Versuch ganz gut. Später rettete ich Brötchen über die App „Too good to go“. Dort durfte ich auch meinen eigenen Beutel dafür benutzen.

 

Tipp: Besonders mochte ich die Idee im Bio-Supermarkt, dass auch Joghurtgläser bereits als Mehrweg verkauft werden, sodass man diese gegen Pfand ganz einfach zurückbringen kann. Schaut doch mal in eurer Nähe, schon einige Supermärkte und Drogerien bieten Mehrweg-Joghurtgläser an. 

Tipp 2: Falls Verkäufer zögern, euren Beutel für frische Lebensmittel wie Käse oder Brötchen zu verwenden, fragt, ob sie euch die Ware über die Theke geben können. Hygienevorschriften bestehen in den Läden meist nur für den Bereich hinter der Theke. 

Gemeinsames müllsparendes Kochen

Meinen nächsten Einkauf für das gemeinsame WG-Kochen wollte ich zum unmittelbaren Vergleich mal in einem Unverpackt-Laden machen. Dafür bereitete ich natürlich auch alles besser vor: Vorratsgläser, Dosen und Gemüsebeutel packte ich in die Einkaufstasche. Da der nächste Unverpackt-Laden von mir aus leider weiter weg liegt, fuhr ich mit der U-Bahn. Das Geschäft bio.lose entpuppte sich als Mischung aus Unverpackt- und einem normalen Bio-Laden. So war die Auswahl der unverpackten Lebensmittel zwar nur begrenzt, dafür konnte ich allerdings für die geplante Lasagne auch noch andere Produkte einkaufen. Dadurch, dass man seine eigenen Behälter mitbringt, kauft man tendenziell in Unverpackt-Läden auch mehr ein. Im Umkehrschluss halten sich dafür die Vorräte länger.

Tipp: Zwecks Gemüseeinkauf gibt es in vielen Regionen sogenannte Gemüsekisten, die man sich liefern lassen kann. So bekommen wir in der WG einmal in der Woche eine regionale Gemüsekiste geliefert. Darin liegt das Gemüse in der Regel lose. Manchmal sind Sorten wie Champignons oder Tomaten in Papier gewickelt. 

 

 

Am Ende der Woche hatten wir schließlich einen nicht ganz vollen Kosmetik-Müllbeutel mit Plastik sowie eine kleine Papiertüte mit Papiermüll gefüllt. Dabei bemerkte ich persönlich, dass meine Mitbewohnerin schon deutlich geübter darin ist. Mein Mitbewohner war viel unterwegs in der Woche, sodass laut ihm sein Ergebnis nicht ganz repräsentativ gewesen sei.  Ich selbst hatte die Woche über frei, sodass ich schon auch eher schnell Produkte leer gemacht habe und nachkaufen musste.

Zero-Waste-Woche im Vergleich

Im Vergleich zu der Woche danach, in der wir noch einmal bewusst Müll sammelten, um die Zero-Waste-Woche mit einer normalen vergleichen zu können, sah man den Unterschied. Dort wurde es eine große, dreiviertel voll gefüllte Tüte Plastikmüll sowie eine klassische Papier-Einkaufs-Tüte voll Papier.

Für das zweite WG-Kochen kaufte ich im klassischen Supermarkt ein. Diesmal wollten wir Wraps machen. Für einen optimalen Vergleich hätten zwar die Zutaten am besten die gleichen sein müssen, jedoch hatte ich den Einkauf für das WG-Kochen jeweils in einen größeren integriert, sodass ich doch feststellte, dass es preislich kaum einen Unterschied zwischen dem Einkauf im Unverpackt-Laden/Bio-Laden und dem im Supermarkt gab (das kommt aber auch immer auf das jeweilige Sortiment der Unverpackt-Läden an, dieser war nicht so teuer).

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Einkauf im klassischen Supermarkt zum Vergleich

Fazit

Aller Anfang ist schwer. Deshalb motivierte es mich umso mehr, als ich eure Begeisterung für das Projekt bemerkte. Ähnlich wie ich, haben unter euch wohl schon viele den Willen, nachhaltiger zu handeln. Allerdings müssen dazu alltägliche Verhaltensweisen grundlegend verändert werden.

Das Projekt „Zero Waste“ hat mir gezeigt, dass noch Luft nach oben ist und ich nun viel bewusster durch die Läden gehen sollte, um Plastik aktiv zu vermeiden.

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Der Müll im Vergleich – links: Zero-Waste-Woche; rechts: „normale“ Woche

Es gibt schon mehr Alternativen als man glaubt (aber auch da ist noch Luft nach oben). Leider kann ich persönlich nicht immer in einen Unverpackt-Laden gehen, dieser ist dafür zu weit weg. Außerdem muss man dort auch mehr Zeit für die Vorbereitung einplanen, weshalb es nicht immer so einfach in den Alltag integrierbar ist.

Tipp: Aber an Wochenenden, wenn man sowieso größere Einkäufe erledigen möchte, gibt es keine Ausreden. Einfach ab sofort öfter die Behälter und Beutel für die Käse-Theke oder Gemüseecke mitnehmen oder sich doch mal die Zeit nehmen, um zu einem Unverpackt-Laden zu fahren (zumindest, wenn man in einer Großstadt wohnt).

Mit Hilfe der Zero-Waste-Woche konnte ich persönlich eine Art Bestandsaufnahme für meinen Haushalt machen, wo und wann ich überall mit Plastik hantiere. Schritt für Schritt möchte ich meine Gewohnheiten hinterfragen und weitestgehend ändern, indem ich stetig nach plastikfreien Alternativen suche. Aber dennoch finde ich, dass man sich nichts aufzwingen sollte. Wenn es nicht geht, geht es nicht!

Wie sehr achtet ihr schon darauf, plastikfrei einzukaufen? Habt ihr noch andere Geheimtipps?

Alle erwähnten Produkte sind selbst gekauft. Da ich diesbezüglich zu Shops verlinkt habe, wurde der Beitrag als Werbung gekennzeichnet. 

 

 

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