umgeblättert

Halbjahresgeblätter 2019

Presseexemplare / Werbung

Ein Rückblick und Zwischenfazit: Meine Halbjahres-Highlights

Ja ich weiß. Streng genommen ist das halbe Jahr ja schon ein Weilchen vorbei –andererseits nehme ich es mal als Ausrede, dass das Frühlings- und Sommerprogramm von Verlagen auch immer bis August geht und ich deshalb mein Halbjahresgeblätter ausweiten kann.

Die ersten Monate dieses Jahres waren bei mir von einer größeren Leseflaute geprägt. Ehrlich gesagt kam ich schon etwas unmotiviert ins neue Jahr, da ich vor einem großen Projekt auf Arbeit stand und auch privat einiges los war. Mehrere Wochen vergingen, bis es einen nächsten Beitrag auf meinem Blog gab. Umso froher wurde ich, als sich mein Zeitmanagement wieder entspannte, ich die Lust zum Lesen zurück gewann und ich auch wieder kreativer bezüglich meines Blogs werden konnte. Hier freute ich mich vor allem über den neuen Impuls, mal wieder „Off-Topic“, also mal nichts über Bücher, zu schreiben. Noch dazu war ich begeistert, dass ihr so fleißig das spontane Projekt meiner WG einer Zero-Waste Woche verfolgt habt.

Halbjahresrückblick gelesener Bücher
Mein Rückblick gelesener Bücher des ersten Halbjahres 2019

Insgesamt habe ich bis einschließlich Juli 2019 20 Bücher in der ersten „Hälfte“ des Jahres gelesen, womit ich als Zwischenergebnis ganz zufrieden bin. Im ersten halben Jahr habe ich verhältnismäßig viele Sachbücher gelesen, sie haben mir auch über die kleine „Lesekrise“ hinweggeholfen. Der Grund ist vermutlich, da man bei Sachbüchern weniger einen Spannungsaufbau erwartet, von dem man dann enttäuscht werden kann. Der Romane-Anteil lag (dennoch) bei neun Titeln, bei den Sachbüchern waren es sieben. Zudem habe ich zwei Autobiographien gelesen, die ich immer schwierig in eine der beiden Kategorie stecken mag, da sie mehr Erzählungen entsprechen. Die einen sagen, dass sie Sachbücher seien, da sie realistisch und nicht erfunden sind, die anderen kategorisieren Biographien eher als Geschichten und damit als Belletristik. (Im Englischen finde ich das mit Fiction und Non-Fiction klarer definiert).

Wie immer gibt es Bücher, die einen positiv überraschen und andere, die dann doch eher einen persönlich nicht so überzeugen konnten oder bei denen die Erwartung zu hoch war. Beginnen wir einmal mit den „Flops“:

Bücher, die mich nicht überzeugen konnten

Eher enttäuscht wurde ich von Markus Zusaks „Nichts weniger als ein Wunder“, was ich persönlich schade fand. Es wurde mir sehr empfohlen und auch die Rückmeldungen auf Social Media waren meist positiv. Von dem Autor der Bücherdiebin versprach ich mir viel, weshalb meine Erwartungen (zu) hoch waren. Sein Schreibstil in „Nicht weniger als ein Wunder“ überzeugte mich, er war malerisch, poetisch und vereinnahmend. Auch das Thema sprach mich an, selbst wenn es eigentlich trauriger Natur ist: Fünf Brüder erfahren im jungen Alter, dass ihre Mutter bald sterben wird. Der Ich-Erzähler ist einer der Kinder Penelopes und erzählt ihre Geschichte, aber auch von Erlebnissen und Erinnerungen mit ihr und von den letzten Tagen vor ihrem Tod. Die Mutter wollte vor ihrem Ableben noch so viel wie möglich mit ihren Söhnen erleben. Clay, einer der jüngeren Söhne verschwindet nach dem Tod seiner Mutter, den er nicht verkraften kann, soll aber nun Trauzeuge bei der Hochzeit des ältesten Bruders werden.

Das Buch zog sich für mich leider ins Unendliche, der Autor verlor sich in seiner Sprache und in dem erzählerischen Schreibstil. Ich hatte das Gefühl, dass kaum etwas passierte und muss zugeben, dass ich die Motivation verlor und letztendlich abbrechen musste. Vielleicht gebe ich dem Buch irgendwann noch einmal eine Chance, da ich es wirklich mögen wollte.

„Die Angehörigen“ von Katharine Dion konnte mich leider auch nicht so richtig mitnehmen. Es wirkte mir zu vorhersehbar und konnte mich auf den ersten Seiten nicht in seinen Bann ziehen. Es war aber vor allem schlechtes Timing, da es eines der Bücher war, dass ich las, als ich die Leseflaute hatte. Ich befürchte, dass ich dem Buch nicht die angemessene Chance gegeben habe und das sicher irgendwann noch einmal versuchen werde.

Die Short Storys in „Cat Person“ von Kristen Roupenian kann ich zwar nicht so recht als „Flop“ bezeichnen, da ich schon auch die eine oder andere Kurzgeschichte spannend fand und sie mich in den Bann zogen, zumal sie einen wichtigen Kern haben: Die Kurzgeschichten wurden zum literarischen Sinnbild der Me-Too-Debatte. Es geht um die Abgründe des menschlichen Seins und wie Gewalt und Sex sowie das Erniedrigen anderer ein Machtgefühl auslösen können.

Irgendwie fühlte ich mich wie bei einem Horrorfilm. Man will zwar hinsehen, aber eigentlich findet man es wiederum viel zu extrem. Manche Geschichten in Cat Person waren auch so, dass ich mich fragte, was sie aussagen wollen. Doch insgesamt finde ich, dass es mutig ist, über solch ein tabuisiertes Thema zu schreiben. Gern möchte man die Abgründe der Gesellschaft verschweigen, doch die Autorin legt den Finger bewusst in die Wunde. Dieses Buch kann ich auf jeden Fall empfehlen, wenn man sich für das Thema Sex und Macht interessiert und sich auf diese spezielle Art von Kurzgeschichten einlassen kann (ich habe Cat Person als E-Book gelesen).

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Meine Highlights im 1. Halbjahr 2019

Meine Highlights

Eigentlich hat mich bis jetzt noch kein Buch von Sarah Kuttner enttäuscht, im Gegenteil, sie gehören eigentlich immer zu meinen Lese-Highlights. Ich mag ihre Art zu schreiben, da sie realtitätsnah und wenig ausschweifend, aber dennoch weich und melodisch ist. So war es auch bei ihrem neuen Roman.

„Kurt“ ist ein Buch, dass ein emotional schweres Thema aufgreift, nämlich den Tod eines Kindes und dies zudem aus der Sicht der Freundin des Vaters, die nicht die leibliche Mutter ist. Wie viel darf Lena um das Kind Kurt trauern? Und wie geht sie mit ihrem Freund den Vater, den großen Kurt, um? Sarah Kuttner greift mit einer emotionalen Stärke die Traurigkeit und das Leid der Betroffenen auf  und dennoch gelingt ihr wieder ihre klassische Leichtigkeit. Es schwingt auch Humor mit, sodass der Roman alles an Gefühlen in der Bandbreite bereithält, was ein gutes Buch benötigt. Mehr dazu findet ihr in meiner Rezension

Sophie Passmann ist jemand, dem ich schon länger sehr gern auf Instagram folge. Sie ist Radio-Moderatorin, ZEIT-Magazin-Kolumnistin und noch dazu im Redaktionsteam von Jan Böhmermann. Das finde ich ganz ordentlich für ihre 25 Jahre. (Dagegen fühle ich mich alt und schlecht :-D). Sophie Passmann ist wohl für mich die Personifizierung von intelligentem Humor, Ironie und Sarkasmus. Nun hat sie mit „Alte weiße Männer“ ein Buch geschrieben, das Feminismus mal anders angeht mit einer Prämisse, die ich gelungen umgesetzt finde. Und zwar interviewt sie Männer mit Macht die potenzielle alte weiße Männer sein (und werden) könnten und fragt sie, was sie über das Bild „Alter weißer Mann“ denken,  inwiefern sie es als Mann leichter haben in Machtpositionen zu gelangen und allgemein über Gleichberechtigung. Fazit: Humorvoll, intelligent und sehr lesenswert! Mehr dazu in meinem Themengelätter

Atlas literarischer Orte von … ist für mich natürlich auch ein Highlight, weil es perfekt für Bücherwürmer ist und einen mit liebevoll und kreativ verfassten Texten sowie mit schönen Illustrationen an all die faszinierenden und bekannten Orte literarischer Magie reisen lässt. Mehr dazu in meiner Rezension

Erzählungen 

„Herkunft“ von Saša Stanišić  habe ich erst vor kurzem gelesen und rezensiert, weshalb ich hier nicht noch einmal zu sehr in die Tiefe gehen werde. Aber so viel sei noch einmal dazu gesagt: Es ist die ideale Lektüre für solche, die nach einem Buch mit Zeitgeist und wichtiger Botschaft suchen. „Herkunft“ ist nicht nur eine Autobiographie, sondern ein Suchen nach der wahren Herkunft, nach Heimat und warum eigentlich immer alle „Herkunft“ definieren wollen. Zur Rezension

Ich hatte Anfang des Jahres ein Vorabgeblätter als Beitrag veröffentlicht, in dem ich euch Bücher vorgestellt habe, die ich dieses Jahr lesen möchte. Das hatte ich gerade noch einmal als Hilfestellung zum besseren Überblick genutzt und wie immer überrascht es mich, wie sich die Leseliste im Jahr verändert. Auch wurde ich an das eine oder andere Vorhaben noch einmal erinnert: GRM von Sybille Berg steht weiterhin auf meiner Must-Read-Liste. Jedoch möchte ich vorab auch noch eines ihrer älteren Ausgaben „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ lesen, um einen Eindruck von ihr zu bekommen ( so wie man erst einmal gern alte Alben von Musikern hört, mit denen sie bekannt wurden, bevor man sich an die aktuellen versucht. Kennt ihr das?). Genauso verhält es sich mit Nell Zinks „Virginia, das muss unbedingt noch von mir gelesen werden! Bei den Sachbüchern steht „Über alte Wege. Eine Reise durch die Geschichte Europas“ von Mathijs Deen ganz oben auf der Leseliste und „Das Netzwerk der neuen Rechten“ von Christian Fuchs und Paul Middelhoff interessiert mich von der wichtigen Thematik her genauso weiterhin.

Außerdem war es mein Vorsatz, mehr Bücher in Originalsprache zu lesen. Das habe ich zwar bis jetzt erst mit einem Buch geschafft, aber dafür kann ich das sehr empfehlen. Es hat mich schlaflose, durchzechte Nächte gekostet, weil es so unglaublich spannend und gut geschrieben war: „The Keeper“ von Graham Norton (im Deutschen erschienen bei Rowohlt: „Eine irische Familiengeschichte“). Dazu lest ihr demnächst mehr in meinem Beitrag über das literarische Irland. Außerdem habe ich die Reihe rund um Vernon Subutex auf Französisch gekauft. Die Bände warten endlich gelesen zu werden.

Fazit

Schließlich wurde es doch ein für mich erfolgreiches erstes Lese-Halbjahr mit tollen Highlights. Natürlich ist das eine oder andere Buch mal nicht so überzeugend oder man hört davon, dass sich ein Buch doch nicht lohne zu lesen („Licht über den Wedding“ von Nicola Karlsson). Dafür kommen auch unverhoffte Überraschungen und Bücher, die einen danach noch länger begleiten werden wie Kurt von Sarah Kuttner oder Herkunft von Saša Stanišić .

Welches waren eure Highlights des ersten halben Jahres?

 

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