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Chronisch um die Welt: Rezension zu: „Und morgen die Welt“ von Samira Mousa

Ein Reisebericht erschienen im Eden Verlag, Juni 2019

Zum Buch auf der Verlagsseite

Als Samira erfahren sollte, dass sie MS, also Multiple Sklerose, habe, wurde ihre eigene Welt plötzlich auf den Kopf gestellt. Es warf sie aus der Bahn, sie zog sich zurück.

Auf ihrer Weltreise bei einer kleinen Rede in einem Club in Chiang Mai stellte sie dann aber fest: Es ist das beste, was ihr passieren konnte. So hat das Buch wohl auch einen passenden Untertitel: „Wie ich einen Schicksalsschlag in das größte Abenteuer meines Lebens verwandelte“…

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„Und morgen die Welt“ von Samira

 

Inhalt

Samira beschließt, ihren Job in der Barszene zu kündigen, um einen langen Traum endlich realisieren zu können: Eine Weltreise. Sie kennt das Risiko, immerhin verreist sie mit einem Rucksack voller Medikamente, die sie wegen Ihrer Diagnose MS einnehmen muss. Diese Entscheidungen sollen ihr Leben verändern. Sie beginnt sich mit ihrem MS-Blog „chronisch fabelhaft“ und ihrer Arbeit als Texterin selbständig zu machen. Auf der Weltreise schreibt sie an ihrem ersten Buch über ihre Wanderung auf dem Jakobsweg.

Von Chiang Mai nach Indonesien über Berlin nach Mexiko und Kolumbien: In all den Teilen der Welt macht sie wertvolle Erfahrungen und besondere Begegnungen. Im Flugzeug lernt sie den Amerikaner Martin kennen, in dessen Clubhaus sie über ihre Krankheit vor einem Publikum sprechen möchte: „Die Multiple Sklerose ist für mich eines der besten Dinge, das mir passieren konnte, weil sie mir gezeigt hat, dass unsere Zeit auf der Erde wertvoll ist“.  

Sie macht Bekanntschaft mit der lebensbejahenden Luise, die ihr die wenig touristische, ruhige Insel Nusa Penida zeigt und wie man mit mehr Leichtigkeit durch’s Leben gehen kann. Samira fährt an den Ort ihrer Jugend in Mexiko, der von einem Erdbeben zerstört wurde und wo sie ihre Freunde mit gesammelten Spendengeldern aus Deutschland unterstützt. Sie passt auf ein Hostel und einen Reiterhof ihrer Freundin Lilly in Kolumbien auf, wobei es in der Zeit einen Rohrbruch kurz vor Weihnachten geben soll.

Samira bleibt stark und ausdauernd, auch bei neuen Schüben ihrer Erkrankung und wenn ihr Körper ihr wieder die Grenzen aufzeigt. Sie hat ihn lange genug strapaziert und lernt mit ihm umzugehen und mehr auf ihn zu achten.

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Meine Reise nach Thailand (Koh Lanta)

Kritik

Der Reisebericht ist so lebendig geschrieben, der Schreibstil mitreißend: Samira könnte meiner Meinung nach auch einen autobiographischen Roman geschrieben haben. Sie lässt uns mitfühlen, z.B. wenn ihre Krankheit sie mehr zu bestimmen scheint als umgekehrt. Aber wir dürfen auch mit ihren Augen sehen, wie sie die Welt und sich selbst auf eine neue Art und Weise kennen lernt. Sie lässt uns Seite für Seite teilhaben, was in ihrer Gedankenwelt so vorgeht und das mit einer detaillierten Bildsprache.

Ich bewundere Samiras Mut und Ausdauer. Eine Krankheit als Chance und weniger als Krise zu sehen ist beeindruckend. Ich bin mir sicher, dass die Autorin mit ihrem gefühlvollen Reisebericht auch andere Betroffene (aller Art von chronischen Erkrankungen) motivieren kann, stark und ausdauernd zu bleiben!

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Mut haben, etwas wagen, die Welt sehen.

Fazit

Bitte lest diesen Reisebericht. Er macht einfach Mut für alles und zeigt, dass man in Krisen nicht aufgeben sollte, sondern sie als Signal zu betrachten, dass man nun sein Leben ändern kann und sollte.

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