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Gastbeitrag: Rezension zu „Virginia“ von Nell Zink

Eine Buchempfehlung von Aline Bär

Im April 2019 erschienen bei Rowohlt – Link zum Buch auf der Verlagsseite

Noch immer hänge ich hinterher, noch immer stapeln sich bei mir die Bücher, die ich lesen oder gar rezensieren möchte. Noch immer lässt mein derzeitiger Alltag kaum Zeit zum Lesen zu, aber dennoch finde ich so langsam wieder aus den Tiefen der Blogpause zurück. In diesem Fall habe ich mir ein wenig Unterstützung geholt und zwar von Aline: Passionierte Weltenbummlerin. Und was läge da näher, als im Urlaub eine Rezension zu schreiben über ein Buch, das in noch einem anderen Land spielt?:

Virginia_Titelbild
„Virginia“ von Nell Zink

Here we go: Die Rezension

Eine Reise in das Virginia der späten 60er Jahre der USA: Zwischen Rassentrennung, Entdeckung von Sexualität, Drogen und vor allem viel Prosa. In diesem Kontext wird eine Familiengeschichte erzählt, die besonders erscheinen mag.

Peggy Vallaincourt fühlt sich früh zu Frauen hingezogen, Lee Fleming ist der schwule Spross einer konservativen WASP-Familie (White-Anglo-Saxon-Protastant). Sie besucht das Frauencollege, an dem er als Lyrikdozent lehrt, und zu beider Überraschung fangen sie etwas miteinander an. Das Ergebnis sind Heirat, ein Sohn, Byrdie, und eine Tochter, Mickie. Nach zehn Jahren ist die Ehe gescheitert – an Sprachlosigkeit und den verklemmten frühen Sechzigern.

Peggy brennt durch und will beide Kinder mitnehmen, am Ende hat sie aber nur Mickie dabei, für die sie sich die Papiere eines toten schwarzen Mädchens erschwindelt. Fortan gilt die hellblonde Tochter als schwarz – falscher Ausweis genügt. Und als „Schwarze“ leben Mutter und Tochter nun unerkannt in dem kleinen Ort in Virginia, wo sie sich in einem leerstehenden Haus Nachfragen nach ihrem Verbleib entziehen. Und lernen eine ganz neue Welt kennen…

Kritik

Nell Zink nimmt uns mit auf eine Familiengeschichte der besonderen Art. Wie ein ruhiger Fluss gleitet die Erzählung dahin, in die ersten Jahre der Beziehung zwischen Peggy und Lee. Mit allen Höhen und Tiefen, aber eben herrlich normal und ohne dabei langweilig zu wirken. Im Gegenteil, diesen Roman möchte man in den kommenden Stunden nicht mehr aus der Hand legen. Mit viel Witz und Ironie erfährt man, wie es mit Peggy und Lee und den beiden Kindern weiter geht. Wie Peggy, die das College aufgrund Ihrer Schwangerschaft abgebrochen hat, sich ein neues Leben aufbaut. Wie Lee von den Vorteilen alleinerziehender Vater zu sein träumt und wie er, mehr als Peggy, seine Sexualität ausleben kann. Im späteren Verlauf übernehmen die Kinder, Byrdie und Mickie einen Teil, so dass die Erzählperspektive zwischen den 4 Protagonisten hin und her wechselt. Dass Mickie als „schwarzes“ Mädchen groß wird, dass Peggy sich zu Frauen und Lee zu Männern hingezogen fühlt, ja all das ist Thema ohne dabei thematisiert zu werden, was mir besonders gut gefällt. Als neutraler Anker dazwischen Byrdie, der der einzig „normale“ in der Familie zu sein scheint, aber mit dem Verlust der Mutter klarkommen muss.

Virginia 1
Mal was anderes: Ein Gastbeitrag von Aline, die die Rezension am Strand schrieb

Fazit

Geschickt verbindet Nell Zink alle Stränge in einem passenden Finale. Was bleibt, ist das Gefühl, einem Fluss beim Fließen beobachtet zu haben, dem ein paar Steine in den Weg gelegt worden sind. Also ab auf die Couch mit einer Tasse Kakao und Nell Zinks neuem Roman „Virginia“.

Aline liebt es zu verreisen und zwar mit dem Rucksack auf dem Rücken, den Flipflops an den Füßen und dem Zelt unterm Arm. Sie ist immer bereit für ein neues Abenteuer, wobei die passende Reiseliteratur nicht fehlen darf. Diese findet sie gern mal auf dem Weg oder lässt sie zurück für andere Abenteurer. Aber spätestens an Weihnachten zieht es sie zurück in die kalte Heimat für den Besuch eines Weihnachtsmarkts. 

Vielleicht wäre das Buch ja auch eine Weihnachtsgeschenkidee für euch ?

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