umgeblättert

Vorgeblätter – Ein Ausblick ins Jahr 2020 mit Büchern und Persönliches

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Interview mit „aufgeblättert“-Autorinnen Luise und Aline, Part 2

Luise: Als wir das letzte Mal so gemütlich auf dem Sofa saßen und uns über unseren Jahresrückblick (Interview, Teil 1) unterhalten haben, war das neue Jahrzehnt erst ein paar wenige Tage alt. Nun sind doch glatt schon ein paar Momente mehr ins Land gegangen und du bist bereits mit ganzer Kraft beim Bloggen dabei, Aline. Was hältst du davon, wenn wir dieses Mal nach vorn blicken, auf das, was uns dieses Jahr erwarten könnte und was wir uns vornehmen, sei es im Persönlichen oder auf Bücher bezogen?

Aline: Ja klar gern, schieß los!

Perfekt! Meine erste Frage wäre daher:

1. Was möchtest du in 2020 gerne lernen, was du vielleicht noch nicht so gut kannst?

Ein Gedanke den ich bereits seit letztem Jahr in mir trage, aber da noch zurückgestellt habe, ist das Singen zu erlernen. Ich habe mich nie als große Sängerin gesehen, im Gegenteil: Bei Karaoke habe ich mich immer in die letzte Reihe verzogen und allerhöchstens unter der Dusche oder in der Menge auf Konzerten ein Lied mitgesungen. Aber ganz ehrlich, eigentlich macht es ja schon Spaß. Also stelle ich mich der Herausforderung und möchte mich ab und zu mit einem Gesangslehrer treffen, um mal zu lernen, wie das mit dem Treffen von Tönen eigentlich so geht.

Also, ich glaube an dich! Ich würde tatsächlich noch gern umweltbewusster leben. Unsere Zero-Waste-Woche bildete der erste deutliche Impuls für mich, etwas zu verändern. So achte ich aktuell schon deutlich mehr darauf, plastikfrei einzukaufen und nicht einfach wegzuwerfen – sondern auch mal darüber nachzudenken, wie ich Altes anderweitig wiederverwenden, tauschen oder spenden kann. Jedoch gerät es weiterhin ganz gern mal bei mir in Vergessenheit. Daran möchte ich arbeiten!

2. Hast du dieses Jahr besondere Reiseziele?

So ein richtig konkretes Ziel habe ich diese Jahr noch nicht, außer dass es Ende Februar anlässlich eines runden Geburtstags einer Freundin für mich mit einem erweiterten Freundeskreis nach New York gehen soll. Darauf freue ich mich schon sehr, da ich die Stadt schon immer mal besuchen wollte und auch ansonsten noch nie in den USA war. Die passende Kurzgeschichte habe ich dafür auch schon im Gepäck („New York, Noir“ von Charles Dantzig). Davon abgesehen, werden meine restlichen Reiseziele in Europa liegen, sodass ich auch versuchen will, diese nur mit dem Zug zu erreichen. Da meine Familie nicht in Hamburg wohnt, bin ich es gewohnt mehrere Stunden am Stück in Zügen zu verbringen und liebe es, in dieser Zeit zu lesen, aus dem Fenster zu schauen, Podcasts zu hören oder auch einfach das Spektakel zu beobachten. 

Europe on a shoestring Lonely Planet
Der Europa-Reiseführer von Lonely Planet

Zwar ist der Winter aktuell in Deutschland eher mild, dennoch habe ich mal wieder Sehnsucht nach dem Süden Europas, nach dem Mittelmeer und nach einer kräftig strahlenden Sonne, nach Spanien. Ich bin auch schon fleißig an der Urlaubsplanung für das Frühjahr dran, nur werde ich da wohl offen gestanden noch einmal das Flugzeug nehmen. Bestimmt werde ich dafür lokale Buchhandlungen besuchen und euch mitnehmen.

3. Welches Genre würdest du auf die Reise mitnehmen?

Ich möchte mich gerne in Gedichtbände und Erzählungen bzw. Kurzgeschichten einlesen. Ich glaube, dass sie aufgrund ihrer Kürze und Handlichkeit geeignete Reisebegleiter sein können, insbesondere wenn man sie in lokalen Buchläden entdeckt und damit eine Erinnerung mit nach Hause nehmen kann. Vielleicht hast du oder auch einer unserer Leser eine Leseempfehlung zum Einstieg für mich? 

Hmm… da muss ich doch etwas überlegen. Obwohl ich Gedichte inspirierend finde und gern selbst mal ein paar Zeilen dichte, lese ich seltener Gedichtbände. Aber den Essayband von Marina Keegan „Das Gegenteil von Einsamkeit“ kann ich sehr empfehlen. Die Kurzgeschichten und Essays sind emotional, lebensbejahend und kurzweilig. Vor allem berühren sie aufgrund des Schicksals, das der Autorin widerfuhr. Kurz nach ihrem Masterabschluss in Yale mit Anfang 20 stirbt sie bei einem Autounfall. Ihre Familie und Dozenten, die viel Potential in Marina Keegan sahen, haben sich für die Veröffentlichung ihrer Studientexte und Hausarbeiten eingesetzt. Zum Glück!

Wow das klingt super spannend, musst du mir unbedingt ausleihen 🙂

Ich selbst lese gern Bücher, die in dem jeweiligen Reiseort bzw. -land spielen. Es versetzt mich noch mehr in Stimmung und bringt mir die Kultur näher, es intensiviert für mich das Erlebnis. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass ich mal wieder einen Roman von Carlos Ruiz Zafon lesen werde. Sein Roman „Der Schatten des Windes“ über einen Friedhof der vergessenen Bücher und über einen Bücherfund, das seinen Besitzer zukünftig auf seltsame Art und Weise im Leben beeinflussen soll, konnte mich ganz besonders begeistern. Schon länger nehme ich mir den Roman des Autors „Das Labyrinth der Lichter“ vor, spätestens im Urlaub wird es Zeit. Kennt vielleicht jemand noch andere empfehlenswerte Autoren aus Spanien?

Taschenbücher für die Reise
Unsere Reiseliteratur und Empfehlungen

4. Gibt es ein Buch, welches du unbedingt lesen möchtest?

Zuletzt habe ich ja viele Biografien gelesen und eine, die für mich noch ganz oben im Regal steht, ist die von Steve Jobs. Ich gehöre zwar selber nicht zu den Apple-Fans und habe grundsätzlich keinen Bezug zu seiner Profession, empfinde seine Visionen aber unglaublich spannend, da er seiner Zeit ja doch auch einiges voraus war. Also habe ich mir seine Biografie von Walter Isaacson zu Weihnachten gewünscht und werde mir diese für dieses Jahr definitiv vornehmen (immerhin hat sie ja auch rund 700 Seiten…). Und wer weiß, vielleicht muss ich mir dann im Anschluss auch noch mal die Biografie seiner Tochter „Beifang“ ausleihen, von der du mir schon so viel vorgeschwärmt hast.

Bei mir steht aktuell das Sachbuch „Tausend Zeilen Lüge“ von Juan Moreno ganz oben auf der To-Read-Liste. Der Spiegel-Journalist deckte einen eklatanten Skandal um seinen Kollegen und Hochstapler Claas Relotius auf, der seine Reportagen erfand, ausschmückte und damit unzählige Preise gewann. In meinem Beruf im Bereich Pressearbeit arbeite ich täglich eng mit Journalisten zusammen, sodass mich das Thema persönlich berührt und sehr interessiert.

Couchgeflüster
Couchgeflüster

Aber gehen wir noch einmal zurück: Wir haben ja beim letzten Mal rekapituliert, welche Bücher uns 2019 besonders gefallen, geprägt und beschäftigt haben. Gibt es nun eine von dir langersehnte Fortsetzung, die dieses Jahr noch erscheinen wird oder die du allgemein lesen möchtest?

5. Und fieberst du schon einer Fortsetzung entgegen?

Das ist echt eine schwere Frage, lass mich kurz Überlegen…Vor ein paar Jahren habe ich die als Neapolitanische Saga bekannte Reihe von Elena Ferrante begonnen. In insgesamt 4 Büchern, welche von 2016 bis 2018 im Suhrkamp Verlag veröffentlich wurden, porträtiert sie die Geschichte von zwei Freundinnen, die in einem sehr volkstümlichen Viertel in Neapel aufwachsen. Die Autorin begleitet sie über die Jahrzehnte hinweg und gibt dabei nicht nur einen interessanten Einblick in das Neapel des 20. Jahrhunderts, sondern beschreibt sehr eindrücklich eine besondere Freundschaft zwischen zwei Frauen und wie diese ihren Weg in einer männerdominierenden Gesellschaft gehen. Band 1 und 2 habe ich damals verschlungen und jetzt, wenn ich so daran denke, bekomme ich richtig Lust auf Band 3 und 4. 

Oh, die habe ich auch noch nicht gelesen! Bald wird von der viel und hochgelobten französischen Autorin Delphine de Vigan, die bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, ihr Roman „Dankbarkeiten“ erscheinen. Es ist ein Buch über das Älterwerden, über das Vergessen und wie schwer es einem fällt, wenn man plötzlich die Worte nicht mehr findet oder wenn es jemanden betrifft, den man liebt. Es klingt zum einen nach einem sehr berührenden Thema, zum anderen habe ich schon länger vor, etwas von der Autorin zu lesen. Von vielen Seiten hörte ich Lob über ihren Schreibstil und der Vorgänger „Loyalitäten“ wurde mir bereits öfter empfohlen. So nehme ich es zum Anlass, diesen vorab zu lesen. Zwar ist Dankbarkeiten wohl keine konkrete Fortsetzung, jedoch geht es bei beiden Romanen der Autorin um Gefühle, um die Komplexität unserer Beziehungen und was es bedeutet, wenn ein geliebter Mensch erkrankt oder gar stirbt.

Delphine de Vigan
Die von Luise vorgestellten Bücher von Delphine de Vigan

Themenwechsel und mal abseits von Büchern: Es überschwemmte mich nahezu und ich konnte mich einfach nicht mehr wehren: 2019 habe ich die Welt der Podcasts für mich entdeckt.

6. Hast du eine Podcast-Empfehlung für unsere Leser?

Ich auch 🙂 Gerade in Neuseeland als ich mehrere Hundert Kilometer am Tag in meinem Auto über die Straßen des Landes gedüst bin, haben mich Podcasts begleitet und sind jetzt nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken.
Sehr gerne höre ich das Format von ZEIT Online „Alles gesagt“. Zwar braucht man beim Hören tatsächlich etwas Zeit, da der Gast bestimmt, wann der Podcast zu Ende ist (die bisher längste Folge mit Rezo dauerte immerhin etwas mehr als 8 Stunden), aber dafür ist viel Raum für das Gesagte. Zudem sind die beiden Moderatoren Christoph Amend und Jochen Wegner ein eingespieltes Team und gestalten den Rahmen sehr unterhaltsam. Ich bin gespannt, welche Interviewpartner in 2020 für den Hörer bereitgehalten werden, da der Schnitt bisher quer durch Politik, Gesellschaft und Medien sehr gut war. 

Auch wenn es sich nun nach Schleichwerbung für die ZEIT anhören könnte, muss ich sagen, dass ich aktuell den Podcast „ZEIT Verbrechen“ mit True-Crime-Geschichten für mich entdeckt habe. Da Sabine Rückert, die Moderatorin und die heutige stellvertretende ZEIT-Redakteurin des Podcasts früher Gerichtsreporterin war, sind die Fälle immer sehr gut recherchiert und das eine oder andere Mal ist sie sogar selbst an der Aufarbeitung oder gar Aufdeckung eines Fall beteiligt gewesen. Das macht die Folgen so nahbar und gleichzeitig erfahrbar. Und das finde ich sehr spannend, obwohl ich sonst selten Krimis lese oder schaue…

Oh ja da habe ich letztens auch eine Folge gehört, super spannend und Sabine Rückert hat zudem eine tolle Podcast stimme, was ich auch immer sehr wichtig finde.

Couchgeflüster 2
Was man alles so in Büchern finden kann – ein kreatives Lesezeichen

Zudem, um doch noch einmal auf unser Lieblingsthema zu kommen und für unseren Buchblog passende zu empfehlen, hier mal noch meine Literatur-Podcast-Tipps:

Da wären einmal die größeren zu nennen:  „Lesart“, das Literaturmagazin des Deutschlandfunks Kultur, der SWR2 Podcast „lesenswert“ mit Rezensionen und weiteren buchigen Themen sowie der Lesungs-Podcast „Stories“ vom Online-Format „Funk“ der ARD (leider musste der Instagram-Account dazu dieses Jahr eingestellt werden). Dann wäre da noch der Podcast „Long Story Short“ von den Journalisten Günther Keil und Karla Paul von Buchkolumne welche man wohl auch als eine der wenigen Buch-Influencerinnen bezeichnen kann. Sie stellen regelmäßig Bücher zu einem bestimmten Thema vor. Außerdem möchte ich noch zwei etwas Kleinere vorstellen. Da kann ich den Papierstau-Podcast von Tim Pfeifer und Robin Schneevogt mit ausführlichen Diskussionen und Besprechungen zu Büchern empfehlen sowie den Podcast mit dem originellen Titel „Seite an Seite“. Er wird von der Buchblogger-Kollegin Andrea von „leseninvollzügen“ mit ihrem Buchhandel-Kollegen und Podcast-Partner Andi betrieben, in dem sie monatlich ihre gelesenen Bücher vorstellen.

Vielleicht finden wir dort oder ihr, liebe Leser, ja die eine oder andere Inspiration für das Bücherjahr 2020.

Dieser Beitrag wurde mit „Werbung“ markiert, da er mehrere Verlinkungen zu unseren persönlichen Buch- und Podcast-Empfehlungen enthält. Hierbei handelt es sich um keine Auftragsarbeit, sondern es handelt sich um unsere ganz persönlichen Tipps.

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