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Eine literarische Reise durch Barcelona

Da ist dieses seltsame Gefühl: Mein Urlaub nach Barcelona ist eigentlich erst zwei Wochen her, fühlt sich aber schon so lange her an, einfach weil seit dem so viel passiert ist. Ich konnte ihn noch gar nicht bewusst Revue passieren lassen. Dies möchte ich nun nachholen und euch zur Ablenkung mit auf eine virtuelle Reise in die Hauptstadt Kataloniens nehmen, die historisch, kulturell, aber auch literarisch viel zu bieten hat.

Ihr werdet noch die Unbeschwertheit bemerken, mit der ich durch die Straßen streifte. Doch genau dieses Bild finde ich, lässt einen ideal träumen und in Erinnerungen schwelgen.

Literarische Reise Barcelona Aufgeblättert
Der Blick auf Barcelona

Carlos Ruiz Zafón und das gotische Viertel

Gern lese ich im Urlaub Bücher, die den entsprechenden Ort zum Schauplatz haben. Da ich vor ein paar Jahren „Im Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón nahezu inhaliert habe, nehme ich mir nun für meinen Kurztrip nach Barcelona eine Fortsetzung der Reihe rund um den Friedhof der vergessenen Bücher vor und zwar den vierten und letzten Band „Labyrinth der Lichter“. Der Autor beschreibt ein düsteres, dunkeleres Barcelona aus dem vergangenen Jahrhundert und es zieht in den Bann.

Umso mehr freue ich mich darüber, in meinem Reiseführer über einen aus dem ersten Band bekannten Platz zu lesen: Plaça de Sant Felip Neri, der entsprechend auf meiner Must-Do-Liste steht. Es ist ein schöner, andächtiger Platz im Barri Gótic, einem Viertel innerhalb der Altstadt. Er fasziniert in seiner Schlichtheit. Kurios ist allerdings der Umstand, dass die Grundschule, die sich auf dem Platz befindet, gerade Pause macht, als ich ankomme. Dahingehend wird der Platz abgesperrt, weil er als Schulhof dient. (Nachtrag: Es sollte mir übrigens noch ein bis zwei Mal in der Stadt begegnen.)

Literarische Reise Barcelona Aufgeblättert
Schauplatz in „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón: Plaça de Sant Felip Neri

Buchhandlungen in Raval

Vom gotischen Viertel aus bewegen wir uns weiter über die berühmten Ramblas hinweg in das Bar- und Alternativviertel Raval. Nachts scheint es etwas zwielichtig, am Tage aber sieht man verrückte Typen, ausgefallene Shops und Cafés, die gut gefüllt sind.

Wir kommen eher zufällig an einem Comic-Buchladen namens „Medios“ vorbei. Dieser hält verschiedenste Sammlerstücke, aber auch diverse moderne Graphic Novels bereit. Er versprüht einen Scharm à la Big Bang Theory und entpuppt sich definitiv als ein schöner, kleiner Geheimtipp.

Nur zwei Straßen weiter befindet sich dann aber die Buchhandlung, die ich bereits bei meinen Vorbereitungen bei „In 60 Buchhandlungen durch Europa“ von Torsten Woywood ausfindig machte und unbedingt besichtigen möchte: La Central de Raval, eine moderne Buchhandlung, die sich in einem ehemaligen Kirchengemäuer befindet – was einem allerdings auf den ersten Blick in Barcelona gar nicht gleich auffällt, da man in der Altstadt gefühlt an jeder Ecke eine neue Kirche oder ein anderes, beeindruckendes Gebäude aus historischen Zeiten entdeckt, ganz nebenbei neben Modernem. Die Buchhandlung, beeindruckt auf mehreren Etagen durch ein großes Sortiment an touristischen Begleitern, Kunst-Bildbänden über Fachbüchern bis hin zu diverser Fremdsprachenliteratur. Hier kaufe ich mir das obligatorische Buchsouvenir, was ich versuche, von jeder Reise als Andenken mitzunehmen: Es wird ein Reiseführer als Bildband, mit Zeichnungen angelehnt an den berühmten spanischen Künstler und Architekten Gaudí, dessen Bauten in der ganzen Stadt diese zu einem modernen Kunstmuseum erstrahlen lassen. Außerdem traue ich es mir als eines der wenigen Büchern mit meinem eher grundlegendem, spanischen Wortschatz zu.

Spontane Bücherort-Funde in El Born

Wieder eher ungeplant stoßen wir auf ein Café, dass sich klassischerweise in einem der vielen, engen Gassen von Barcelona befindet, sodass ich zur Abwechslung mit meiner kleinen Körpergröße bei der niedrigen Deckenhöhe im Vorteil bin. Dieses süße Café besticht mit leckerem, mit Liebe gebackenen Kuchen und mit gutem traditionellen el Cortado (üblicherweise Espresso mit süßlicher Kondensmilch) , aber vor allem auch mit einer sehr schönen, kleinen Bücherecke. Ich freue mich, dass ich solche Cafés immer mehr entdecke, die eigentlich gar nicht unbedingt Büchercafés sind, aber dennoch Bücherecken bereitstellen und mit gebrauchten Büchern von Reisenden Gemütlichkeit und Weltoffenheit vermitteln. (Nachtrag: Leider habe ich mir den Namen des Cafés nicht gemerkt).

Genauso geht es mir, als ich (wieder zufällig) einen Bücherbasar in einer U-Bahnstation entdecke und denke: Klar! Wo lässt es sich besser stöbern, als während der Wartezeit in einer U-Bahn-Halle?

Schon gewusst?

  • George Orwell (Der Farm der Tiere und 1984) kämpfte im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). Dazu schrieb er auch ein Buch mit dem Titel: „Mein Katalonien“. Ursprünglich als Journalist und Kriegsreporter angereist, ließ sich George Orwell bald von der Dynamik der Revolution mitreißen und schloss sich im Kampf gegen Franco einer antifaschistischen Miliz an.
  • Am 23. April wird in Barcelona nicht nur der Welttag des Buches, sondern es wird gleichzeitig auch der Tag der Liebenden gefeiert. So ist es ein romantischer Tag, der Liebe und Bücher unbewusst zu vereinen scheint – was könnte es Schöneres geben?
  • Das Meer in Barcelona ist unter anderem Schauplatz in dem Klassiker Don Quijote von Miguel de Cervantes (1605-1615). Dort entdeckt er das Meer Barcelonas und ist überwältigt.
  • Mehr zu Literarischem in Barcelona findet ihr hier.
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Das Meer heute

Fazit

Literatur scheint in Barcelona allgegenwärtig. Einige, vor allem spanische Autoren, geben ihren Romanfiguren ein zu Hause in Barcelona. Auch gilt es als wichtige Verlagsstadt Spaniens. Und ich kann es sehr verstehen, in Barceolna treffen Kontraste aufeinander: Es ist voller Historie und Kultur und zieht aber mit seinem gleichzeitig modernen, unbeschwerten Flair in den Bann. Zudem ist es von Bergen und dem Mittelmeer umschlossen und bietet neben Prachtbauten so auch erholende Natur vom Nahen.

(Luise)

2 Gedanken zu „Eine literarische Reise durch Barcelona

  1. Ohhh was für ein schöner Beitrag. Wie du lese ich auch immer wahnsinnig gerne im Urlaub Bücher, die in derselben Region spielen. In Barcelona war ich bislang noch nicht, aber dank deiner Liste ist es jetzt definitiv auf meiner Reiseliste – mit den entsprechenden Büchern natürlich. 🙂 Danke dafür 🙂

    1. Hoffen wir, dass wir ganz bald alle wieder verreisen können! Zumal Touristenstädte wie Barcelona ja jetzt sicher auch unter der Situation leiden…

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