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„Der Distelfink“ von Donna Tart – eine Buch- und Filmrezension

Der Distelfink ist ein Roman der amerikanischen Schriftstellerin Donna Tart, welcher im Oktober 2013 in Originalsprache und im März 2014 auf Deutsch erschienen ist. Im Herbst 2019 folgte die Prämiere der Kinoverfilmung, welche ihr aktuell auch online oder als DVD finden könnt. Das Buch erhielt den Pulitzer Preis im Bereich Belletristik, welcher am ehesten vergleichbar mit dem Oscar für die Filmindustrie ist. Der Film wurde durch die Kritiker allerdings eher negativ bewertet. Eine Kontroverse die mich neugierig gestimmt hat, sodass ich mich beidem gewidmet habe und euch in diesem Beitrag nicht nur das Buch, sondern auch den Film vorstellen möchte.

*Spoileralarm* In den Rezensionen, könnte ich unter Umständen Handlungsstränge vorwegnehmen. 

Handlung

Gemeinsam mit seiner Mutter besucht der 13-jährige Theodor das New Yorker Metropolitan Museum. Als eine Bombe explodiert, verändert das fortan den Lauf seines Lebens. Bei der Explosion stirbt seine Mutter, für dessen Tod er sich fortan verantwortlich fühlt und ihn in eine tiefe Trauer stürzt. Auch scheint ihn die Last des, sich verbotenerweise in seinem Besitz befindlichen, Gemäldes „Der Distelfink“ förmlich zu erdrücken. So nimmt der Strudel an Fahrt auf, er verliert sich in Drogen und Alkoholexzessen und droht in eine kriminelle Laufbahn abzudriften. Das Gemälde begleitet ihn seitdem und übt eine Faszination auf ihn aus, die er nicht erklären und greifen kann.

Das Buchcover - "Der Distelfink" von Donna Tartt
Das Buchcover – „Der Distelfink“ von Donna Tartt

Rezension des Romans

Der Roman lässt sich in drei Teile einteilen. Theodors Anfangsjahre in New York nach der Explosion, die Zeit in Las Vegas bei seinem Vater und die Zeit nach dessen Tod, zurück in New York. In allen drei Teilen schafft es Donna Tart eine andere Atmosphäre, eine andere Sprache zu erschaffen. Dabei verliert sie sich nicht in der Dramatik, lässt den Leser mitfühlen an dem Verlust der Mutter und dem kurzen Hoffnungsschimmer, einen Anker in der Familie, die ihn in den ersten Tagen aufnimmt sowie einem neuen Freund, gefunden zu haben. Fassungslos bleibe ich als Leserin zurück, wie Theodor sein einsames Leben in der Wüste von Las Vegas mit Drogen und Alkohol bekämpfen, ohne eine richtige Aufgabe und Anleitung durch einen Erwachsen zu erhalten. Einen Rausch jagt den nächsten und gipfelt schlussendlich in einem erneuten Verlust: der Tod seines Vaters, der sich, erdrückt von seinen Spielschulden, betrunken hat und bei einem Autounfall ums Leben kommt. Der dritte Teil setzt wieder in New York, rund 10 Jahre später, ein und gipfelt in einer Thriller ähnlichen Jagd nach dem Gemälde, welche Theodor bis nach Amsterdam führt. Vor lauter Aktion verliert Donna Tart dabei nie die Liebe zu den Details, verknüpft Handlungsstränge mit einer Leichtigkeit, transportiert greifbar Emotionen und erschafft ein fulminantes Finale, welches mich hat nicht mehr loslassen können. Als besonders faszinierend empfand ich das innerliche Zerwürfnis von Theodor, ist er doch seiner liebevollen und an Kunst interessierten Mutter so ähnlich, wird mit der Zeit und ausgelöst durch das Unglück seines Vaters jedoch ihm immer ähnlicher. Diese Verbindung, verknüpft mit der Frage wie sehr wir unsere eigene Geschichte beeinflussen können, stellt Donna Tart großartig dar, sodass ich dem Buch eine klare Leseempfehlung ausspreche.

Da stellt sich mir nun aber wirklich die Frage, wie so eine tolle Erzählung in einen etwas mehr als zweistündigen Film verpackt werden kann, ohne Details einbüßen zu müssen?

Der Distelfink Film
Filmplakat „Der Distelfink“

Rezension zum Film

Natürlich gehen bei der Verfilmung kleine Details verloren, die dem Leser des Buches auffallen, die jedoch die Geschichte nicht beeinflussen. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Verfilmung sich nicht an die zeitliche Struktur des Romans gehalten hat, sondern die Geschichte auf eine andere Art und Weise und Reihenfolge erzählt. Dabei hält die Verfilmung sich dennoch immer sehr nahe an der Romanvorlage, beginnt jedoch in Amsterdam, blickt erst dann zurück auf Theodors Zeit in New York und Las Vegas. In weiteren Rückblicken wird die Explosion eingeblendet und immer wieder die Bedeutsamkeit des Bildes herausgearbeitet. Die meiner Meinung nach tollen schauspielerischen Leistungen, insbesondere der Figur des älteren Theodors und James Hobart, einem Wegbegleiter, transportieren die in dem Buch gezeichneten Emotionen gut, ohne sie neu zu erfinden. Einige Kritiken hätten sich eine größere Distanz zu der Romanvorlage gewünscht, mehr eigene Kreativität der Filmemacher, dem ich jedoch widersprechen würde. Der Film war für mich sehenswert, auch wenn ich das Ende der Geschichte bereits kannte.

Fazit

„Du weißt nie, was über deine Zukunft entscheidet.“ –  ist ein Satz aus der Verfilmung, den ich besonders mitnehme. Denn er lässt mich nicht nur über die Vergänglichkeit des Seins nachdenken, sondern auch ob und wie stark man über seine Zukunft selbst bestimmen kann. Oder ob es nicht doch immer wieder kleine oder auch große Ereignisse gibt, die die die persönliche Welt einen anderen Dreh geben.

Die Bilder habe ich hier, hier und hier entnommen

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