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No Social Distancing: „Romeo und Julius“ von Julius Kraft, eine Rezension

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Dating-Kurzgeschichten

Romeo und Julius. Meine Suche nach der großen Liebe (in 25 Dates)

Erschienen im Juli 2019 beim Goldmann-Verlag (Random-House)

Zum Buch auf der Verlagsseite

An Kurzgeschichten mag ich die Leichtigkeit, dass man einfach mal für einige Seiten in eine Situation geworfen wird, sie erlebt, aber danach es auch gut ist und die nächste Situation folgt. Das Buch „Romeo und Julius“ von Julius Kraft war für mich vor allem eine Flucht aus der Realität: Es war die Zeit, in der ich anfing, Corona-Nachrichten aus dem Weg zu gehen. Es war die Zeit, in der ich einfach mal abschalten und unterhalten werden wollte – in der ich mal kein Social-Distancing mehr spüren wollte. Dafür war die Marathon-Dating-Story von Julius Kraft ideal.

Romeo und Julius, Julius Kraft - Rezension
25 Dating-Kurzgeschichten von Julius Kraft: „Romeo und Julius“

Inhalt

Julius Kraft, Journalist und Online-Redakteur, unter anderem bei Mit Vergnügen Berlin macht ein Experiment. Er datet exzessiv, auch mal in Form eines Marathons mit drei Dates an einem Wochenende. Aber es muss nicht immer jemand Neues sein: Julius sucht nämlich seinen Romeo. Doch dabei stößt er immer wieder mal an Grenzen. Es sind die kuriosen (Tinder)-Date-Geschichten, die jeder so oder so ähnlich schon erlebt hat. Julius wird begleitet von der bekannten Frage, was und wen und weshalb man eigentlich gerade sucht?

Ob Julius entgegen Julia sein Happy End finden wird?

Kritik

Es ist unglaublich erfrischend, all die lustigen Date-Geschichten mitzuerleben und einfach mal wieder mitzufühlen. Auch wenn ich zu Beginn noch nicht ganz so überzeugt schien, da der Stil und Inhalt für mich nicht so ganz neu wirkten: Jemand erzählt von seinen Tinder-Geschichten und analysiert im Anschluss die Situation sowie im Hinblick darauf die eigenen Gefühle und weshalb man gerade so oder so gehandelt und gedacht haben könnte. Obwohl Julius Kraft sich direkt zu Beginn von Michael Nast abgrenzen möchte, so erinnerte es mich doch leider erst stark an den Stil von „Generation Beziehungsunfähig“. Aber ich täuschte mich. Es sollte einen Wandel geben. Die Kurzgeschichten wurden tiefgreifender und fügten sich zu einem roten Faden und zu einer Gesamtgeschichte zusammen. Die Kapitel standen nicht mehr für sich allein und die Charaktere nahmen Gestalt an, wurden greifbarer.

Romeo und Julius, Julius Kraft - Rezension
Welcher Romeo bleibt zum Frühstück?

Julius Kraft hat einen erfrischenden Erzählstil. Außerdem finde ich es auch insofern eine Abwechslung, da es natürlich kaum um diese klischeehaften Frauen-Männer-Rollen geht. Die Frau wartet beispielsweise, dass der Man sich meldet. Aber der Mann ist genervt von der Frau und „ghostet“ (ignoriert) sie. Er muss sie einladen und sie muss sich jagen lassen. Nein, denn hier geht es um Mann-Mann-Relation. Aber auch fernab davon bedient Julius wenig Klischees und hebt sich dann entgegen meiner ersten Vermutung doch von Michael Nast ab. Julius Kraft versucht zudem nicht die Geschichten in einen größeres Gesellschaftsbild einzuordnen, um anschließend zu philosophieren. Er quatscht lieber mit seinen besten Freundinnen über die Kuriositäten das Liebesalltags, am besten mit viel Humor und bei einem Glas Wein. Er nimmt es leicht, selbst wenn ihn eine gescheiterte Beziehung mal schwerer trifft. Man selbst kann auch herzhaft lachen. Ich bin mir sicher, dass sich jeder ein Stück wiedererkennt, wenn es um all diese kuriosen Begebenheiten beim Daten geht.

Fazit

Es ist die perfekte Lektüre, um aktuell abzuschalten: egal ob man gerade wegen Social-Distancing selbst nur online daten kann oder man in einer glücklichen Beziehung ist. Es macht Spaß, mit Julius ein bisschen zusammen alle vermeintlich zukünftigen Romeos kennen zu lernen und mit ihm zu weinen oder zu lachen.

Das Buch wurde uns freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke an den Goldmann-Verlag! Dies hat jedoch weder unsere Meinung, noch unser Urteil beeinflusst.

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