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Tinder 4.0 – Eine Rezension zu „Der Delphi Code“ von Thomas Pyczak

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Wir leben in einer digitalen Welt. Nicht erst seit dem Corona-Lockdown, als ein Großteil der Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit in das Home Office umgezogen und die Yogakurse von dem Wohnzimmer aus besucht hat. Bereits zuvor wurden Kinobesuche gegen Netflix und Amazon Prime getauscht. Der Ausflug in die Einkaufsstraßen auf die Couch verlagert. Freunde bleiben Freunde, auch wenn sie am anderen Ende der Welt leben.

Apropos, neue Freunde können auch digital gefunden werden. Und seit 2012 mit Tinder sogar der Partner fürs Leben. In den letzten Jahren wurden viele digitale Hilfsmittel programmiert, die unsere Bedürfnisbefriedigung unterstützen. Und die Digitalisierung schreitet noch weiter voran, der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) wurde durch Alexa und Co. geprägt. Wissenschaftler erforschen menschliches Handeln, Fühlen und Denken, mit dem Ziel maschinelle Arbeitserleichterung zu schaffen. Da die Erforschung des menschlichen Gehirns aber derart komplex ist, nimmt sich die Wissenschaft derzeit nur kleinere Teilgebiete, statt des gesamten Gehirn, vor. Stellt euch Computer vor, die in der Lage sind, anhand eurer Stimme zu erkennen ob es euch gut oder schlecht geht. Stellt euch eine App vor, die zwei Bilder vergleicht und prüft, ob die beiden angezeigten Personen potentielle Partner sein könnten. All das und noch Vieles mehr, kann und wird durch KI übernommen. Thomas Pyczak denkt dieses Szenario in seinem neustem Roman „Der Delphi Code“ weiter und nimmt uns mit auf eine Reise in das antike Griechenland und das moderne Hongkong, wo drei Frauen eine revolutionäre neue App entwickelt haben, die genau das können soll: In Echtzeit Liebesbeziehungen bewerten. Ein Tinder 4.0?

„Der Delphi Code“ von Thomas Pyczak

Inhalt

Der Inhalt von „Der Delphi Code“ ist schnell erzählt. Doch muss man hinter die Kulissen blicken, um den vollen Umfang des Themas des Buches zu realisieren. Es geht um drei Frauen, die eine App programmiert haben, welche in Echtzeit Liebesbeziehungen bewertet. Das Spannende daran ist, was das Programm kann: „Es lernt jede Sekunde mehr über die Welt, die Menschen und ihre Beziehungen. Auf dieser Basis trifft es [Anmerk.: die KI] Vorhersagen“. Und so hat die Programmiererin Edelweiß gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Vicky und der Seherin Ada ein Firmenmeeting in Delphi organisiert um der App einen Realitätstest zu unterziehen. Das Ziel des Programms ist es, „…dem Kunden die perfekte Beziehung, die Liebe fürs Leben zu präsentieren.“. Und da der Code schnell lernt, in der Zwischenzeit selbstständig entscheidet und vermeintlich weiß, was zu tun ist, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Doch weder das Meeting noch der Realitätstest verlaufen wie geplant. Und so wie das antike Orakel in Delphi wenig vorhersehbar war, so ist es der Delphi Code schon lange nicht mehr.

„Erinnerungen sind Scherben, auf die wir irgendwann barfuß im Dunkeln treten, wenn wir uns nicht vorsehen.“ (Zitat aus Delphi Code von Thomas Pyczak)

Kritik

Ich stelle mir die Frage, ob Innovation mit Fortschritt gleichzusetzen sind? In vielen Bereichen bin ich für Innovationen und glaube fest an den Fortschritt, den sie uns bringen können. Doch wo ist die Grenze? Wollen wir uns von einer KI vorschreiben lassen, wen wir lieben sollen? Damit kann ich mich nicht so recht anfreunden. Thomas Pyczak hat es meiner Meinung nach geschafft, genau dieses Fragezeichen, mit welchem ich vermutlich nicht alleine da stehe, aufzufangen. Dabei ist er sprachlich sehr sicher, bildhaft und behält den roten Faden im Blick.

„Der Delphi Code“ von Thomas Pyczak

Fazit

Seine Antwort auf mein Fragezeichen, ist nicht eindeutig und passt daher hervorragend in die Debatte, vor welcher wir stehen. „Wird die Welt sich langsam ändern, wie ein Tanker, der wendet? Oder wie ein Auto, welches sich dreht? Oder wird Sie sich ruckartig ändern, wie der Wind, der umschlägt?“ Wird es ein Tinder 4.0 geben, was meint ihr? Ich freue mich, wenn wir damit eine zumindest kleine Diskussion anstoßen können, entweder hier als Kommentare oder gerne auf Instagram und Facebook.

*Das Buch wurde uns als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusste aber weder die Rezension, noch Meinung zu diesem Buch*

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