Happy Mother’s Day – Gastbeitrag von Helene: „Die emanzipierte Hausfrau“

Heutzutage kann man(n) alles werden, Frau auch!

Hallo! Das da oben bin ich, Helene, 33 Jahre jung und Mutter von zwei Kindern sowie einem Hund. Ach nein, lasst mich korrigieren: ich habe drei Kinder, habe ja meinen Mann vergessen. Außerdem habe ich einen der schlechtbezahltesten Jobs der Welt mit den unflexibelsten Arbeitszeiten. Und diesen Job hab ich mir auch noch freiwillig ausgesucht – aber immerhin hat er vielseitige Aufgaben: denn ich bin Hausfrau und Mutter.

Helene von „Die emanzipierte Hausfrau“. Auf dem Titelbild in einer perfekten Welt, hier die Realität.

Mein Kleiner wird in anderthalb Wochen ein Jahr alt und dadurch häufen sich die Fragen im Bekannten- und Freundeskreis, wann denn endlich die Kita-Eingewöhnung losgehe und vor allem, wann ich endlich wieder arbeiten gehen werde. Obwohl diese Fragen dieses Mal eher von Leuten kommen, die ich neu kennenlerne. Ich bin nämlich jetzt schon seit der Geburt von meinem Großen zuhause. Viel häufiger wird gefragt, wann denn der Große, der jetzt immerhin schon fast 2 ½ Jahre alt ist, endlich in die Kita gehe. Meine Mama zum Beispiel kommt fast jeden Mittwochnachmittag zu uns und jedes Mal findet sie einen Grund, diese Frage zu stellen, als wüsste sie die Antwort noch nicht. Schließlich geht doch jedes „normale“ Kind in die Kita und ihm würde das auch sicher sehr guttun. Schließlich spricht mein Sohn ja noch nicht wirklich, und dort wäre er dazu gezwungen oder würde von anderen Kindern lernen. Gerade was das Thema Sprachentwicklung angeht, bekomme ich als Mutter von vielen Menschen Ratschläge, teilweise von Menschen, die selbst gar keine Kinder haben. Ich lebe da voll nach dem Motto: „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.“

Als ich 2018 das erste Mal schwanger war und mich dazu entschied, zwei Jahre Elternzeit zu nehmen, wurde ich auf Arbeit schon komisch angeschaut. Viele meiner Kolleginnen meinten zu mir: „Spätestens nach einem Jahr wird dir langweilig und du hast das Gefühl zu verblöden. Dann wärst du froh, endlich wieder zu arbeiten.“ Viele gingen davon aus, dass ich mein Kind trotz Elternzeit mit einem Jahr in die Krippe gebe und mir dann einen schönen Tag zuhause mache. Aber für mich stand schon damals fest, dass ich mein Kind frühestens mit zwei Jahren in die Krippe geben möchte, vielleicht auch erst mit drei, dann kommt es direkt in den Kindergarten. Je nachdem, wie sich alles entwickeln würde. Denn ich bin der Meinung, dass für Kinder in den ersten drei Lebensjahren die Mutter die wichtigste Bezugsperson ist und diese drei Lebensjahre prägend für die Zukunft sind. Ich möchte für meine Kinder da sein, wenn sie mich brauchen, sie stärken und ihnen den bestmöglichen Start in ihr weiteres Leben geben. Natürlich kann ein Kind auch ein Betreuungsperson im Kindergarten als Bezugsperson in dieser speziellen Umgebung annehmen.

Helenes Empfehlung für alle Eltern: „Der Elternkompass“

Helenes Buchtipp: „Der Elternkompass“ von Nicola Schmidt

erschienen bei Gräfe und Unzer, Dezember 2020

Aber im Buch „Der Elternkompass“, welches ich allen Eltern und werdenden Eltern wärmstens empfehlen kann, wird das Problem, was es bei uns mit der Fremdbetreuung gibt, gut erklärt: “Nur ein gut eingewöhntes Kind hat eine sichere Basis, um auch im Alltag mit Wut, Trauer und Angst bei seiner Betreuungsperson einen sicheren Ort zu finden. Doch ist sie überhaupt da? Ein sogenannter Betreuungsabbruch passiert schneller, als man denkt: Menschen haben Urlaub, jemand wechselt die Gruppe oder sogar die Einrichtung, und Praktikanten, mit denen sich das Kind vielleicht besonders gut versteht, kommen und gehen.“ Die wichtigste Erkenntnis von Nicola ist. „Was Eltern also brauchen, ist Zeitwohlstand und eine Politik, die nicht nur tausend Krippenplätze verspricht, sondern für eine hohe Qualität in der Kinderbetreuung sorgt. Erst dann können Kinder und Betreuungspersonen wirklich in Kontakt sein, erst dann ist eine wirkliche Work-Life-Balance möglich, die auch der Entwicklung gesunder kleiner Persönlichkeiten wieder zugutekommt.“ (Kapitel „Die Betreuung von Kleinkindern“) Auch in meinem Freundeskreis bin ich da eine Exotin, ich kenne zwar einige, die mehr als ein Jahr Elternzeit genommen haben, aber die meisten haben nach einem Jahr mit der Eingewöhnungszeit begonnen. Daher muss ich mich auch da öfter für meine Ansicht erklären. Viele Fragen sich auch, ob ich denn gar keine Ambitionen habe, an meiner Karriere zu arbeiten, schließlich habe ich doch einen Master of Science in Betriebswirtschaftslehre und ich will mich doch als emanzipierte Frau nicht von meinem Mann finanziell abhängig machen. Mir ist meine Karriere vorerst gar nicht so wichtig. Das Arbeitsleben läuft doch nicht weg, nur weil ich eine Pause mache. Wenn ich zufrieden und glücklich mit meinem Leben bin, dann ist doch alles super. Aber viel zu oft wird man dann in die Schublade gesteckt, dass man einfach nur keine Lust habe, zu arbeiten und sich ein schönes Leben machen möchte.

Ich habe festgestellt, dass viele Frauen aus Angst nicht emanzipiert genug zu wirken, nach einem Jahr wieder arbeiten gehen, aber eigentlich gerne mehr für ihr Kind bzw. ihre Kinder da wären. Meine Arbeitskollegin zum Beispiel hatte auch zwei Jahre Elternzeit beantragt, unserem Chef aber gesagt, dass sie nach einem Jahr in Teilzeit wieder einsteigen möchte. Als das erste Jahr Elternzeit fast vorbei war, bat sie mich um Hilfe, da sie nicht wusste, was sie nun machen soll. Sie wollte unseren Chef nicht enttäuschen, aber eigentlich wusste sie, dass sie sich schlecht gegenüber ihren Kindern fühlen würde, wenn sie wieder arbeiten geht. Ich habe ihr den Ratschlag gegeben, sie solle das machen, was sie glücklich macht und nicht den Chef.

Helene mit ihrer Familie, nur Kind zwei und drei fehlen.

Fazit

Ich bin jetzt seit November 2018 zuhause und niemand hat mich dazu gezwungen, ganz im Gegenteil, ziemlich viele haben versucht mich von diesem Weg abzubringen. Als Frau muss man doch heutzutage Karriere und Kinder unter einen Hut bringen können. Ich möchte diesen Spagat vorerst nicht auf mich nehmen. Klar weiß ich auch, dass ich da in einer ziemlich privilegierten Situation bin, da mein Mann gut verdient. Niemand muss unbedingt die ersten drei Jahre Zuhause bleiben, aber wer es gerne möchte, sollte sich auch nicht ständig für diese freie Entscheidung rechtfertigen müssen. Ich bin derzeit Geschäftsführerin von meiner Familie. Und das ist momentan genug Karriere für mich.

Auf meinem neuen Blog „Die emanzipierte Hausfrau“ und meiner Instagramseite @die.emanzipierte.hausfrau berichte ich über meinen Alltag mit meinen Kindern und einem Tierheimhund. Ich schreibe über Themen, die mich bewegen. Außerdem möchte ich zeigen, dass man heutzutage alles sein kann. Und wenn Frauen möchten, sogar Mutter und Hausfrau.

Liebe Helene, vielen Dank für deinen Gastbeitrag, von uns alles Liebe zum Muttertag!

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