„Lass uns über die Liebe reden…“ – Eine Buchbesprechung und ein Interview mit Marie Luise Ritter

“Vom Nichts suchen und Alles finden” von Marie Luise Ritter

Heute wollen wir über die Liebe reden. Die Liebe zu einem Partner: die am Anfang voller rosa und lila Wolken ist. Wo der Gesang der Vögel sich nach einem Exklusivkonzert für euch anhört und das Bett das liebste Möbelstück in der Wohnung ist.
Die Liebe zu Freunden: mit denen man an einem warmen Sommertag einen Fahrradausflug durch die Natur der Großstadt unternimmt und in der Sonne schweigend nebeneinander, und doch alles gesagt, an einem Spritz schlürft.
Die Liebe zu mir selbst: mit den Momenten am Morgen, an denen mich die Sonnenstrahlen wecken und ich mit einem frischen Kaffee in der Hand, den Tag begrüße und mich auf alles freue, was da heute vor mir liegt.

Wir haben uns dafür mit der Influencerin Marie Luise Ritter von @luiseliebt getroffen. Die Ex-Hamburgerin und Wahl-Berlinerin hat in ihrem neuen Buch, welches am 3.8.2020 im Piper Verlag erschienen ist (Link zur Bestellung hier), “Vom Nichts suchen und Alles finden” genau darüber geschrieben. Es geht um ihre Beziehung zu sich selbst, ihren Freunden, ihrem Partner und all den großen und kleinen Momenten und Gesprächen dazwischen.

Wir haben „Vom Nichts suchen und Alles finden“ bereits vorab als e-book lesen dürfen.

Fragen wie: „Wie bist du zum Schreiben gekommen?“, „Muss man dein erstes Buch „Tinder Stories“ zuerst lesen?“ oder „Was hast du als nächstes geplant?“ habe ich bewusst nicht gestellt, denn die hat Luise in ihrem Blogbeitrag selbst schon wunderbar beantwortet.

Aufgeblättert: Die Lieder, die dich in dem Buch begleiten, hast du in einer Playlist zusammengefasst – magst du uns dein Lieblingslied daraus verraten?

Marie Luise Ritter: Ich finde es total schön, mit einer Playlist ins Buch zu starten, die ich auch auf Spotify angelegt habe, einfach, weil es die Geschichte greifbarer und mehrschichtiger macht. Die Lieder sind tatsächlich nicht alle reine Lieblingslieder, sondern wirklich die, die eben im entsprechenden Augenblick gelaufen sind, im Hintergrund oder als Hauptact des Moments. Mithilfe der Musik hat sich manche Situation tief in mich eingegraben, die Songs bringen mich ins Schwelgen. Genauso wie uns auch Menschen attraktiver vorkommen, je sympathischer sie uns werden, mag ich deswegen alle Lieder der Playlist auf einer emotionalen Ebene sehr, weil ich zu allen eine Verbindung habe. Müsste ich mich entscheiden, dann sicherlich Crow von Bear’s Den, das erste der Playlist. 

Lifestylebloggerin und Influencerin sein, heißt auch Persönliches preiszugeben, wie die Beziehung zu Nick. Wie fühlt sich das an?

Tatsächlich zeige ich nicht viel Privates auf meinen Kanälen, und beantworte auch nichts dazu. Sicherlich, ich habe früher mal exzessiv mit stündlichen Updates aus meinem Privatleben um mich geschmissen, das habe ich aber spätestens mit dem Umzug nach Berlin Ende 2018, Anfang 2019 total zurückgeschraubt, weil es mir nicht mehr natürlich vorkam. Persönliches teile ich inzwischen sehr ausgewählt. Ich übermittle mit meinen Postings inzwischen eher ein bestimmtes Gefühl, zeige eine Stimmung, einen Song, einen Sonnenuntergang vielleicht oder einen See morgens, in dem ich schwimme. Wo dieser See ist, oder mit wem ich da bin, sieht man aber (meistens) nicht. Von daher würde ich behaupten, dass ich viel weniger preisgebe, als die meisten „Influencer“. Stattdessen gibt es von mir die beiden Romane, und in der Art eine Geschichte zu erzählen, hat für mich etwas sehr Ästhetisches. Klar, man könnte sagen, aber du legst deine Privatsphäre darin ja auch komplett offen. Aber ich sehe das eher wie eine Barriere — wer etwas erfahren will, muss sich die Mühe machen, in viele Worte und 256 Seiten einzutauchen. Alles, was ich teilen möchte über Gefühle und die Liebe, steht da drin — wobei man sich nie sicher sein kann, was in den Romanen Realität, Fiktion oder Poesie ist. Also wiederum die Frage: Wie viel teile ich wirklich? Und das fühlt sich sehr gut an. 

Du schreibst davon, dass eine Freundschaft zerbricht. Warum fällt es uns oft noch schwerer, Freundschaften zu beenden?

In Liebesbeziehungen haben wir wie eine Art Fahrplan mitbekommen, wir wissen, wie sie funktionieren müssen, wissen in den meisten Fällen, wie lange sie uns gut tun und leiden, wenn sie zu Ende gehen. Liebesbeziehungen sind exklusiver, erfordern augenscheinlich viel mehr Bereitschaft, sich zueinander zu bekennen. 

Freundschaften sind anders und meistens haben wir viele nebeneinander, sammeln sie in verschiedenen Phasen des Lebens. Sie haben unheimlich viele Facetten, manch eine kann jahrelang halten, ohne je wirklich in die Tiefe zu gehen. Ist es also überhaupt nötig, etwas zu beenden, was ja nicht exklusiv ist? Wir sind es nicht gewohnt, uns mit unseren Freundschaften genauso intensiv auseinander zu setzen, wie mit unseren Beziehungen, hinterfragen manchmal jahrelang nicht, ob der Kreis, mit dem wir uns da umgeben, der ist, der uns gut tut. Das Anfangen und Führen von Freundschaften, die Reflektion, was uns guttut, ist etwas, was eher nebenbei geschieht und nicht mit der gleichen Wertschätzung und Aufmerksamkeit, wie in Beziehungen behandelt wird. Klar, dass es uns also auch schwerfällt, sie zu beenden. Wir sind es nicht gewohnt, uns in der Hinsicht ähnlich intensive Gefühle aufzuladen und ähnlich feste Grenzen zu ziehen, etwas hinter uns zu lassen. 

Was würdest du jedem Single mit auf dem Weg geben, der nichts sucht, aber gerne alles finden möchte?

Auf das „Suchen“ und das „Finden“ gehe ich im neuen Roman ganz besonders ein. 

Buchauszug: »Eigentlich sind wir alle lebenslang auf der Suche. Nach dem Sinn des Lebens, nach einem Job, der wirklich erfüllt, nach unserer zweiten Hälfte, nach den Auslösern, die uns triggern. Nach verloren gegangenen Familienmitgliedern oder nach dem Stoff, der richtig kickt. Nach dem Studium suchen wir einen Job, nach neuen Möglichkeiten, wir suchen die schnellste Verbindung von A nach B, den Schlüssel in der Wohnung, nach Urlaubsangeboten in Prospekten oder zusammenpassenden Socken in der Wäschetrommel. Irgendetwas sucht jeder. Aber wenn man sagt, dass der Weg das Ziel ist, ist dann die Suche das Finden und nicht das Finden das Finden? Ist die Suche nach etwas im Leben das, was uns beschäftigt, lebendig hält?«

Während ich in Tinder Stories das „etwas Suchen“ noch von mir wegstieß und es als Bedrohung für meine persönliche Entfaltung empfand, gehe ich in der Fortsetzung ein bisschen tiefer darauf ein, und setze mich sehr intensiv damit auseinander, ob ich nicht vielleicht doch die ganze Zeit nach etwas gesucht habe, auch, wenn ich das „Suchen“ so von mir weggestoßen hatte. 

Buchauszug: »Vielleicht war es eine Lüge zu behaupten, nach nichts gesucht zu haben. Vielleicht sehnten wir uns alle mehr nach Liebe, als wir zugaben. Nicht nur Milli, sondern auch ich. Vielleicht suchte ich ja doch, nur unbewusst. Eben immer das, was in das jeweilige Kapitel passte. Ungezwungene Abenteuer statt einer festen Beziehung zu forcieren, war dennoch eine klar definierte Suche mit groben Eckpunkten an Vorstellungen, eine konkrete Erwartung.«

Mein einziger Rat, egal ob Single oder nicht, egal ob man etwas sucht, nichts sucht, oder wie ich unbefangen an alles herangehen will: Das Leben annehmen, alle schönen Momente pflücken und mitnehmen, aber trotzdem für sich klar definieren, wo man hinwill, was einen glücklich macht. Sich nicht zu sehr versteifen auf einen Plan A – aber auch nicht glauben, dass einem die Liebe in den Schoss fallen wird, ohne, dass man sich für sie vielleicht ein bisschen strecken muss. Das Leben in die Hand nehmen und loslassen gleichzeitig, klingt nach einem Widerspruch, aber ist die Balance, die ich für mich herausgefunden habe, zu brauchen. 

Warum trauen sich so viele Frauen nicht, den ersten Schritt zu machen?

Ich glaube, (und eigentlich bin ich kein Fan davon, Mann-Frau in Geschlechter-Klischee-Rollen zu stecken, also vielleicht projiziere ich, um die Frage zu beantworten, an dieser Stelle nur meine Erfahrungen auf ein ganzes Geschlecht!) dass Frauen mit Ablehnung schwerer umgehen können als so mancher Mann, dass wir sie tendenziell eher persönlich nehmen und auf uns beziehen, obwohl sie mit uns in dem Moment vielleicht gar nichts zu tun hat. Und indem man keine ersten Schritt macht, kann man sich natürlich vor genau dem schützen. Ich verstehe es total! Davon abgesehen hat es sicher nicht unbedingt etwas mit „trauen“ zu tun, es gibt sicherlich auch viele Frauen, die da an der alten Schule festhalten, dass der Mann den ersten Schritt machen muss. Ob das zeitgemäß ist, muss jede*r für sich entscheiden. 

Aufgeblättert wohnt in Hamburg, so wie du lange Zeit: Was vermisst du am meisten an Hamburg?

Vermissen ist da das falsche Wort für mich, dafür sind meine Erinnerungen zu positiv und dafür lebe ich zu sehr im Jetzt hier gerade in Berlin. Aber wenn du fragst, was meine schönsten Erinnerungen an die Stadt sind, dann das Leben direkt am Wasser, die kleine Straße in Rotherbaum die ich runterlief um fünf Uhr morgens an der Alster zu stehen, die Sonnenaufgänge über Uhlenhorst. Meine wunderschönste und kostbarste Erinnerung an das Leben in Hamburg. 

Last but not least: Wir sind ja ein Buchblog – Welches Buch würdest du uns passend zu deinem Buch noch empfehlen?

Ich habe mich zuletzt von „Zuhause“ von Daniel Schreiber sehr aufgefangen gefühlt, auch, wie meine eine autobiografische Sachbuch-Geschichte. Ein Buch, das ich bestimmt noch immer und immer wieder lesen werden. Und wieder.

„Lass uns über die Liebe reden…“

Fazit

Blickt man hinter das Buch, hört von der Entstehungsgeschichte eines Romans oder eines Sachbuchs, dann ist das für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Daher freut es uns umso mehr, dass Luise sich die Zeit genommen hat und unsere neugierigen Fragen zu ihrem neuen Buch “Vom Nichts suchen und Alles finden” beantwortet hat. Eine Geschichte die uns innehalten lässt und auf das wesentliche in der Liebe besinnen lässt. Kopf aus und treiben lassen, den Moment genießen und nicht zu viele Luftschlösser bauen.

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