Flirrende Sommerhitze, Sonnencreme auf der Haut und der Duft von salziger Freibadpommes in der Luft sowie Zweiraumwohnung als Soundtrack im Ohr…
(…) 36 Grad, und es wird noch heißer. Mach‘ den Beat nie wieder leiser. 36 Grad, kein Ventilator. Das Leben kommt mir gar nicht hart vor.
Daneben liegt ein Sommerbuch für die gute Unterhaltung, in das man gleichermaßen tief eintauchen kann: So haben sich hoffentlich auch eure Tage im Juni und Juli angefühlt. Und damit es so weitergehen kann, hier unsere Bücher aus den letzten Sommermonaten. Vielleicht ist ja auch eine neue Urlaubslektüre für euch dabei?


„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ – Dieser zeitlose Satz stammt von Ingeborg Bachmann. Sie wäre am 25. Juni, 100 Jahre alt geworden. Wir haben uns anlässlich dazu der Ausnahmeschriftstellerin genähert, deren Strahlkraft bis heute ungebrochen ist und die den literarischen Kanon des 20. Jahrhundert geprägt hat.
Der Blogbeitrag zum Nachlesen.
Podcast
Habt ihr schon in unsere neue Podcast-Folge reingehört?
Wir sprechen über Sommercover und Healing Fiction, aber auch über die Gefahren der Vereinsamung durch Individualismus, Filterblasen und mit Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel im Book Blind Date ausführlich über ein Buch, das leicht und tiefgründig, literarisch und witzig zugleich ist; ein Debüt, dass einem ein gutes Gefühl und auch ein bisschen träumen lässt.
Hier geht’s zur neusten Folge.



Wenn euch mehr nach einem modernen, feministischen Klassiker ist, der neuentdeckt wurde, empfehlen wir euch die Folge davor, zu Nichts wächst im Mondschein von Torborg Nedreaas. Dort besprechen wir nicht nur den ersten Satz „Ich suche und suche nach jemandem.“ sondern wie zeitlos und eindringlich dieser Roman ist, für Fans von Tove Ditlevsen.
Um keine Folge mehr zu verpassen, folgt uns doch auf der Plattform eures Vertrauens.
Veranstaltungstipp
Ausblick: Im September startet wieder das Harbourfront Literaturfestival in Hamburg. Vom 19. September bis 11. Oktober finden in der ganzen Stadt verschiedenste Lesungen statt. Aline hat sich schon Tickets, u.a. für Literaturnobelpreisträgerin Han Kang, der Live-Podcastaufnahme von WDR Zwei Seiten (mit Mona Ameziane und Christine Westermann) sowie einer Lesung von Juli Zeh in der Elbphilharmonie gesichert. Es gibt aber noch viele weitere spannende Autorinnen und Autoren zu entdecken – auf unserem Instagramaccount nehmen wir euch wieder mit. Zum Programm.
Buchtipps – Kurz Zusammengefasst
Jegana Dschabbarowa: Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt
Die wichtigsten Körperteile einer Frau waren die Hände: Sie bereiteten Essen zu, wiegten Kinder, wuschen Wäsche, bügelten Männerhemden, wischten den Boden oder Staub. Frauenhände mussten immer beschäftigt sein, Sorglosigkeit stand nur Männerhänden zu. (…) Jede Frau in unserer Familie wusste, dass die Hände ihr nicht zum Schreiben gegeben waren. (S. 69)
Entlang ihres eigenen Körpers erzählt die Protagonistin von einer Welt, die uns sonst verborgen bliebe. Als Kind wächst sie als Teil der in Russland lebenden aserbaidschanischen Community unter streng muslimischen, patriarchalen Strukturen auf. In den Mittelpunkt ihres Debüts Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt stellt Jegana Dschabbarowa daher insbesondere die Frauen ihrer Familie und erzählt poetisch, dabei zugleich ganz sanft und eindringlich von deren Unterdrückung. Worüber sie schreibt, ist nicht nur zutiefst berührend, sondern lässt die Lesenden atemlos zurück.
Holly Gramazio: Ehemänner
Schnappt euch unbedingt ein Spaßgetränk eurer Wahl und den Roman Ehemänner von Holly Gramazio, wenn ihr mal wieder auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung seid! In dem Roman erlebt die Protagonistin, die eigentlich Single ist, wie plötzlich ein Ehemann vom Dachboden in ihre Wohnung steigt. Zunächst hält sie ihn für einen Einbrecher, als er jedoch wieder auf den Dachboden verschwindet und kurz darauf ein neuer Ehemann heruntersteigt, wird ihr klar, dass dort oben etwas Merkwürdiges vor sich geht. Langsam realisiert sie, dass sich ihr Dachboden in einen magischen Ort verwandelt hat. Was also mit dieser Situation anfangen? Genau! Sie begibt sich auf die Mission, den besten Ehemann der Welt zu finden. Auf etwas mehr als 400 Seiten erzählt Gramazio diese zugegebenermaßen absurde Geschichte mit viel Tempo und Einfallsreichtum und doch sorgen immer wieder neue Wendungen und Ereignisse dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Es ist ein ungewöhnlicher Roman, der vor allem durch seine originelle Idee und seinen hohen Unterhaltungswert überzeugt.
Übersetzt wurde der Roman von Babette Schröder.
Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Miriam Carbe wuchs in einer Familie von Frauen auf, die alle Tagebücher und Erinnerungsskizzen hinterließen. Eben diese Erinnerungen hat sie in einen Roman gegossen und öffnet uns Lesenden mit Unerwünschte Töchter eine Tür, durch die wir Teil eben dieser Geschichte werden können. Margarethe, Marianne, Monika und Miriam: vier Generationen und ein Jahrhundert deutsch-deutsche Geschichte – allesamt Töchter, deren Geburten den Müttern ungelegen kamen.
Meine Großmutter hat meine Geburt zu verhindern versucht. Ich hatte mit siebzehn keine Lust, zu ihrem siebzigsten Geburtstag zu fahren, und habe sie damit sehr enttäuscht. Wir sind quitt. (S. 560)
Die Ur-Urgroßmutter, geboren zu Kaiserszeiten; die Urgroßmutter, welche den Ersten Weltkrieg durchlebt; die Großmutter, die den Zweiten Weltkrieg erlebt; die Mutter, die in den Sechzigerjahren ein uneheliches Kind mit einem nigerianischen Studenten bekommt; und schließlich die Autorin selbst. Ein Debütroman, der mich über alle Generationen hinweg bewegt hat – nicht zuletzt, weil mir die Handlungsorte der ersten beiden Generationen aufgrund meiner eigenen Herkunft sehr nahe sind, und weil er den Frauen jener Zeit eine Stimme gibt.





Kurt Prödel: Salto
Ich denke, dass manche Menschen wie Meteoriten sind. Sie streifen dich, und für einen Moment brennt alles, alles wird hell, alles wird warm. Und dann ziehen sie weiter. (S. 148)
Salto ist ein Roman über Veränderung, die erste Liebe, Klassenunterschiede und die Suche nach sich selbst, wie man sich dabei selbst kurz verliert und wiederfindet. Es ist die Geschichte über Marko, der den Traum vom Medizinstudium träumt, welcher ihn am Ende selbst ins Krankenhaus bringt. Und dann ist da noch Claire, die wie Marko Träume hat, nur halt nicht die gleichen. Eben wie so ein Meteorit könnte auch dieser neue Roman von Kurt Prödel sein, der mit seinem Coming-of-Age Roman meine Welt kurz gestreift hat und mir ein wunderbares und kurzweiliges Lesevergnügen bereitet hat.
Hrsg. Friederike Schilbach: Die Damentoilette
22 Frauen, 22 Mal „Geschnatter von der Damentoilette“. Was als Ausspruch des Literaturkritikers Denis Scheck begann, der damit den neuen Roman der bekannten Autorin Ildikó von Kürthy abwertete, endete mit einer Liebeserklärung. Die Damentoilette: Eine Sammlung von 22 Geschichten, Essays und Gedichten – herausgegeben von Friederike Schilbach – möchte genau diesen gern tabuisierten Ort in den Mittelpunkt stellen, wo all das verhandelt wird, um was es in patriarchalen Diskursen geht. Die Damentoilette als politischer Raum, als Ort, wo Tampons, Lippenstifte und vor allem auch Geschichten ausgetauscht werden. Die Damentoilette sollte also ein Ort sein, wo Frau* sich sicher und wohlfühlen kann. Denke ich rückblickend an all die Damentoiletten, die ich schon so besucht habe, in Clubs, Kaufhäusern, Restaurant, Fitnessstudios und Co. ist sicher, dass in diesem Aspekt noch Nachholbedarf besteht! Mit der Sammlung hat Friederike Schilbach und 22 herausragende Autor:innen eine Hommage an einen Ort kreiert, der so viel mehr ist als nur ein stilles Örtchen!
Auf Reisen
Während Aline gerade im Süden Europas ihren wohlverdienten Urlaub verbringt, so genießt Luise die hochsommerlichen Temperaturen in der Wahlheimat Köln. Obwohl uns gerade hunderte Kilometer trennen, so haben wir doch etwas Wesentliches gemeinsam: Wir haben immer eine Sommerlektüre im Gepäck. Hier sind unsere heißen Buchtipps für euer Sommergepäck:
Eva Lohmann: Etwas Leichtes
Für alle, die sich Protagonistinnen Ü40 wünschen, die einen Neuanfang wagen und sich für ein Leben ohne Kinder entscheiden.
💡Vorfreude! Das Buch erscheint Ende August… Um die Wartezeit zu verkürzen, hört gerne in unsere Podcastfolge zum Vorgängerroman Wie du mich ansiehst, den wir auch sehr empfehlen können!
Theresa Mengeler: Nach den Fähren
Für alle, die hinter die Kulissen einer Urlaubsinsel schauen wollen, auf die plötzlich keine Gäste mehr kommen.
💡 Preis der Hotlist 2024


Hayley Gelfuso: Das Buch der verlorenen Stunden
Übersetzt von Christine Blum
Für alle, die gern in andere Welten tauchen und es klug, aber gleichzeitig eskapistisch mögen.
💡 Für Fans der Mitternachtsbibliothek
Gráinne O’Hare: Weird Girls
Übersetzt von Anna-Nina Kroll
Für alle, die gerne über Frauen lesen, in deren Leben auch nicht alles perfekt ist, sondern eben auch Chaos herrscht.
💡Nordirland-Vibes
