Literarische Weltreise: Europa und die Region Donau

Während ich dies hier an einem Februartag in Hamburg schreibe, sind die Temperaturen gerade einmal auf ein einstelliges Niveau geklettert. Statt Schnee fällt nun Regen vom Himmel. Aber immerhin: Die Tage werden länger. Und weil all das Jammern über das Wetter ohnehin nichts hilft, gehe ich dieses Jahr auf Weltreise, literarische Weltreise.


Inspiriert von der Region Donau als Gastregion der Leipziger Buchmesse 2026 beginne ich meine Reise in Europa. Die Donau, einer der mächtigsten und längsten Flüsse Europas, verbindet Länder, Kulturen und Geschichten. Mein Lesepass führt mich entlang des Flusses von Ungarn nach Österreich, später ins Vereinigte Königreich und nach Irland sowie nach Island.

Alles Länder, die ich bereits bereist habe und mit denen mich persönliche Erinnerungen verbinden. Umso spannender ist es, sie nun noch einmal literarisch zu entdecken.


Erster Stopp: Region Donau

Ohne die Leipziger Buchmesse hätte ich mich wohl weniger mit der Region Donau beschäftigt. Denn außer dass ich schon mehrfach in Wien war, ist die Region mir eher unbekannt.

Lázár von Nelio Biedermann war bereits Ende letzten Jahres in aller Munde und dank der Bücherhalle Anfang dieses Jahres in meinen Händen. Der als Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen ausgezeichnete Roman entführt uns in die Anfänge des 20. Jahrhunderts: in den Untergang des Habsburgerreichs und damit auch in den Niedergang der Barone Lázár. Biedermann zeichnet eine Familiengeschichte in turbulenten Zeiten nach, die viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Ob der Hype des Debütromans gerechtfertigt ist, entscheidet jede Leserin am besten selbst.

Zum Reinhören: In unserem Podcast empfiehlt Luise Wir waren Kometen von Daniel Gräfe. Ein ungewöhnlicher Roman über Herkunft und Liebe, über die Suche nach sich selbst und das Finden des anderen auf einem Roadtrip entlang der Donau bis nach Rumänien. Zur Folge

Wusstet ihr? Danube Books ist ein unabhängiger Buchverlag, der sich auf die Region Donau spezialisiert.

Hoch gelobt und zudem passend zum ersten Stopp ist Zeit der Mutigen von Dimitré Dinev. Das rund 1000-Seiten, mit dem Österreichischen Buchpreis 2025 ausgezeichnete Epos vereint ein Jahrhundert Europäische Geschichte. Ich bin in jedem Fall gespannt und möchte es unbedingt noch lesen.


Zweiter Stopp: Österreich

Lange schon sehne ich mich nach einer literarischen Geschichte, die nicht von allzu viel Düsternis geprägt ist. Eine solche Entdeckung ist Kastanienallee von Louise K., dem Pseudonym einer österreichischen Autorin oder eines Autors. Entlang der Kastanienallee stehen die teuersten Villen der Stadt, der Golfplatz ist um die Ecke, die Oberschicht ist hier zu Hause. Louise K. blickt hinter die hohen Gartenzäune der Bewohner und führt uns humorvoll und mit viel Ironie jene vor, die vermeintlich viel Geld auf dem Konto liegen haben, und erspinnt dabei eine teils krimihafte Geschichte. Ich warte sehnsüchtig auf eine Fortsetzung und habe das Flugticket nach Wien, zumindest gedanklich, bereits gelöst.

Wenn ich dann in Wien bin, reißt hoffentlich nicht gerade die Erde auf und erweckt tote Menschen zum Leben. Das klingt skurril? Vienna Falling von Fabian Navarro ist eine Mischung aus Krimi, Fantastik und Selbstfindung und eben herrlich skurril und witzig erzählt. Zur Rezension.

Dritter Stopp: Vereinigtes Königreich und Irland

London habe ich zuletzt 2018 besucht, da eine Freundin für einige Zeit dort gearbeitet hat. Nicht mein erster Besuch in der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, sicherlich auch nicht mein letzter. Umso neugieriger war ich daher auf All unsere Leben von Christine Dwyer Hickey, übersetzt von Kathrin Razum. Der Roman beginnt 1979 an und erzählt die Liebesgeschichte von Pip und Milly. Zwei irische Außenseiter, die in der Stadt ihr Glück versuchen, in unterschiedliche Richtungen gedrängt werden und doch immer wieder zueinanderfinden. Simone vom Literaturblog Klappentexterin drückte es mir mit den Worten: Das wirst du lieben! in die Hand, und sie hat recht behalten. Nicht zuletzt, da der Roman die Geschichte des Vereinigten Königreichs und Irlands verbindet. Letzteres habe ich gerade im Herbst bereist.

Apropos Irland: Wer hierhin reisen möchte, dem empfehle ich Coast Road von Alan Murrin, übersetzt von Anna Nina Kroll. Der Roman spielt im Jahr 1994, bevor Scheidungen durch die Regierung legalisiert wurden. In diesem Setting taucht in einer kleinen irischen Küstenstadt Colette auf, die ihren Mann und ihre Kinder verlassen hat und nun zurückkehrt. Murrin erzählt schnörkellos vom Schicksal vieler Frauen im katholischen Irland, die ihre Männer gerne verlassen hätten, sich aber nicht trauten, oder jener, die es taten und daraufhin von der Gemeinschaft verstoßen wurden.


Vierter Stopp: Island

Ich bin immer noch dankbar, dass ich die gewaltige Natur dieses Landes erleben durfte. Dass Literatur in Island einen hohen Stellenwert genießt, liest man am besten in entsprechenden Sachbüchern über die isländische Literaturszene nach, zum Beispiel in Marcel Krügers Island, Eine Insel und ihre Bücher, welches ich sehr informativ fand und zur Reisevorbereitung genutzt habe.

Von meiner Reise mitgebracht hatte ich Daughter von Alda Sigmundsdóttir, eine Aufzeichnungen einer Frau über emotionale Misshandlung und das ständige Gefühl, nicht genug zu sein und es nicht einmal der eigenen Mutter recht machen zu können. Zur Rezension

Gerade frisch beendet habe ich Miss Island von Auður Ava Ólafsdóttir, übersetzt von Tina Flecken. Anfang der sechziger Jahre hat sich die junge Isländerin Hekla, benannt nach einem Vulkan, nicht weniger vorgenommen, als die fest in Männerhand befindliche Literaturszene aufzumischen. Dafür zieht es sie vom Land nach Reykjavík, in die Stadt der Poeten. Subtil ironisch, feministisch und eine Hommage an das Schreiben und die Literatur, diese Begriffe verbinde ich mit dem Roman, der mein kleiner Geheimtipp in diesem Beitrag ist.

Spanien, Portugal, Italien, Polen, so viele Länder, die in diesem Beitrag fehlen. Ob Carlos Ruiz Zafón oder Beatriz Serrano, so viele gute Autoren und Autorinnen, die hier zu kurz gekommen sind, aber es soll auch nur eine kleine Auswahl.  

Im Laufe des Jahres wird es mich noch nach Asien, Afrika, Süd- und Nordamerika sowie Australien und Ozeanien ziehen – kommt ihr mit?

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