Literarische Weltreise: Afrika

Nach Europa und Asienführt unsere literarische Weltreise als nächstes auf den afrikanischen Kontinent. Die ausgewählten Romane könnten dabei kaum unterschiedlicher sein, aber genau darin liegen ihre Stärken. Sie erzählen von Flucht und Gewalt, von kolonialer Vergangenheit, queerer Identität, Macht, Schuld und Freiheit. Vor allem aber erzählen sie alle von Menschen, die gegen gesellschaftliche Strukturen, familiäre Prägungen oder politische Systeme ankämpfen müssen.


Erster Stopp: Nigeria

In Wünschen erzählt Chukwuebuka Ibeh die Geschichte des jungen Obiefuna, der aufgrund seiner Homosexualität von seinem Vater in ein christliches Internat geschickt wird. Der Roman beleuchtet das Leben queerer Menschen in Nigeria und verbindet gesellschaftliche Gewalt mit einer sehr sensiblen Familiengeschichte. Besonders die wechselnden Perspektiven von Mutter und Sohn verleihen dem Roman große emotionale Tiefe. Übersetzt aus dem Englischen von Cornelius Reiber.

Zweiter Stopp: Uganda

In Die Frauen von Bidi Bidi begibt sich Minga nach dem Tod ihres Vaters auf die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter und reist dafür bis in das Flüchtlingscamp Bidi Bidi in Ostafrika. Dort begegnet sie Frauen, die vor Krieg, Gewalt und Hunger geflohen sind. Charline Effah erzählt eindringlich von weiblicher Solidarität und den Auswirkungen von Flucht und patriarchalen Strukturen. Besonders die Wut, die sich durch den gesamten Roman zieht, macht das Buch so eindrucksvoll und lange nachhallend. Übersetzt von Ela zum Winkel.

Dritter Stopp: Auf Safari

Bewusst wird in Trophäe auf die Nennung eines Landes- oder Reservatsnamen verzichtet, nichtzuletzt um Kritik an der globalen Safari-Industrie zu üben. In Gaea Schoeters Roman begleiten wir den amerikanischen Großwildjäger Hunter White nach Afrika, der seine Jagd auf die Big Five vollenden will. Der Roman entwickelt sich schnell zu einer verstörenden Reflexion über Macht, Gewalt und menschliche Überheblichkeit. Schoeters zeigt auf eindringliche Weise, wie die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwimmen und wie eng Jagd, Dominanz und koloniales Denken miteinander verbunden sind. Übersetzt aus dem Niederländischen von Lisa Mensing.


Vierter Stopp: Kamerun

In einer Welt, in der Issa – geboren in Kamerun, aufgewachsen in Deutschland – weder in Frankfurt noch in ihrer Heimatstadt Buea eine klare Identität findet, zwingt sie ein Aufenthalt bei ihrer Familie in Afrika zur Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft. Geführt durch kulturelle Rituale, dem wachsamen Blick der Großmütter und der Ahnen muss sie kurz vor der Geburt ihres Kindes ihren Platz finden. Der Roman von Mirrianne Mahn verwebt eindringlich die intime Geschichte einer jungen Frau mit den Schatten der deutschen Kolonialvergangenheit, die bis heute ein blinder Fleck in unserer Wahrnehmung bleibt. Eine berührende Erzählung über stillen Feminismus, familiäre Bindungen und die Suche nach der eigenen Identität.


Fünfter Stopp: Namibia

Iva atmet verbindet Familiengeschichte mit der deutschen Kolonialvergangenheit in Deutsch-Südwestafrika. Als Ivas Vater im Sterben liegt, kehrt sie nach Dresden zurück und wird zunehmend mit verdrängten Erinnerungen und familiärem Schweigen konfrontiert. Besonders gelungen ist die Metapher der Köcherbäume aus Namibia, die Ivas innere Belastung und ihre Suche nach Befreiung spiegeln. Amanda Lasker-Berlin erzählt ruhig und eindringlich über Schuld, Erinnerung und generationsübergreifende Verantwortung.

Die vorherigen Reisestopps zum Nachlesen:
Region Donau und Europa
Asien

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