Aufgeblättert feiert Jubiläum – Monatsblatt März 2025

Wusstet ihr schon? Wir feiern diesen Monat ein ganz besonderes Jubiläum: Fünf Jahre gemeinsames Bloggen! 🥳

Als Buchblog von Luise gegründet, im Doppelpack seit 2020, dank Aline, haben wir nicht nur unzählige Bücher gelesen. Durch gemeinsame inspirierende Gespräche, aber vor allem durch den Austausch mit euch online und auf Buch-Events haben wir unseren Blickwinkel erweitert und sind neugieriger geworden. Wir lesen nun mehr aus unabhängigen Buchverlagen, entdecken die Stimmen von Autorinnen, und haben seit letztem Jahr sogar einen Podcast „Aufgeblättert – Dein Book Blind Date“! Als Buchliebhaberinnen und Bloggerinnen wird man jedoch schnell „verführt“, die neuesten Geschichten zu lesen, auch durch die tollen Buchtipps der Community. Deshalb fokussieren wir uns dieses Jahr wieder mehr auf Backlisttitel, um auch ältere Buchschätze zu entdecken.

Eines unserer Highlights ist und bleibt sicher der Dreh mit dem Fernsehteam der NDR Nordtour, vor genau zwei Jahren, als wir eine Literatur-Rallye durch Hamburg machen durften und dabei mit der Kamera begleitet wurden. Ihr habt den Beitrag noch nicht gesehen? Dann seid schnell, einen Monat lang ist er noch verfügbar, hier.

Danke, dass ihr uns und dem Blog so treu bleibt, mit uns immer wieder aufblättert. Auf viele weitere Kapitel von „Aufgeblättert“ – voller Bücher, Inspirationen und gemeinsamer Lese-Abenteuer!

Auf die Ohren – Podcast

In unserem Podcast, der auch bereits ein Jahr alt wird (!) laden wir euch monatlich zu einem Blind Date mit einem Buch ein. Hier folgt die nächste Auflösung:

In dieser Folge stellt Aline das Buch mit dem ersten Satz: „Als der junge Jean-Paul Sartre im Fühling 1929 in der Ecole Normale in Paris erstmals Simone de Beauvoir in die Augen blickt, da verliert er das einzige Mal in seinem Leben den Verstand.“„Liebe in Zeiten des Hasses“ von Florian Illies: Ein Buch, das uns zwar tief in die Geschichte hineinzieht, aber in Zeiten der Krise aktueller nicht sein könnte. Im Speeddating stellt Luise diesmal mit „Freiheit“ von Angela Merkel eine Biographie vor, die 75 Jahre Zeitgeschichte und Politik trägt. Hier geht es direkt zu den Folgen auf Spotify: Aufgeblättert – Dein Book Blind Date


Schwerpunkt Backlistlesen

Die Spiele* von Stephan Schmidt ist ein Kriminalroman, der sich von Berlin über Mosambik bis nach Shanghai erstreckt. Einen Krimi nimmt Aline zwar selten zur Hand, doch die Mischung aus Geschichte und persönlichen Schicksalen, garniert mit einer Portion politischen Einflussnahme, Korruption und Spionage, hat gut unterhalten und schnell gefesselt.

In Leuchtfeuer verleiht Dani Shapiro der Erzählung eine besondere Dynamik und erzählt so eine runde Familiengeschichte über Schuld, Reue und Familiengeheimnisse. Zwar ist Aline den Protagonisten über den gesamten Roman nicht richtig nahegekommen, der Showdown am Schluss war nach ihrem Gefühl etwas zu viel – trotzdem hat sie den Roman mit einem guten Gefühl beendet.


Ein Buchhiglight zum Indiebookday von Aline: „Sterben üben“ von Katharina Feist-Merhaut

Im März 2025 erschienen bei Otto Müller Verlag Salzburg *

Vor vielen Jahren war ich in einer Ausstellung, die Porträts von Menschen kurz vor dem Tod zeigte und mit Texten die porträtierten Personen vorstellten. Katharina Feist-Merhaut zieht in „Sterben üben“ an einer Stelle einen Fotoband aus ihrem Buchregal, bei dem es sich wohl um die gleichen Fotos handeln muss, die auch ich in der Ausstellung gesehen habe. In ihrem Debüt, an dem sie sieben Jahre geschrieben hat, begleitet die Autorin ihre Großmutter in ihren letzten Monaten, vielleicht auch Jahren. Sie hält ihren Alltag fest, fragt nach und konfrontiert uns Lesende indirekt mit dem, was doch unausweichlich auf uns alle wartet – dem Tod. Es ist weniger ein Roman als vielmehr eine Sammlung fragmentierter Kapitel, zusammengewürfelt aus Sätzen, die die Großmutter am Küchentisch ausspricht, und den Gedanken der Autorin dazu. Wie hier: „In der Früh tut erst mal die Kniescheibe weh, dann massiere ich sie, dann setze ich mich auf, dann tun die beiden Hüften weh, (…) Die Schmerzen sind allgegenwärtig. Ihre Verzweiflung darüber bringt sie nur selten zur Sprache.“ (S. 17)

Die Sätze der Großmutter sind kursiv gesetzt und heben sich so von den Gedanken und Sätzen der Autorin ab, sodass eine besondere literarische Form und ein soghafter Lesefluss entsteht, der durch die vier Abschnitte Sammeln, Üben, Erinnern und Kümmern führt. Durch den Absatz mit dem Fotobuch denke ich an meinen Ausstellungsbesuch zurück, den ich als etwas Wunderschönes in Erinnerung habe. Ich erinnere mich, dass ich die Menschen bewundert habe, die angesichts des Sterbens jenes ohne Sorge entgegensehen konnten. Und genau das ist es, was Katharina Feist-Merhaut in Sterben üben“ schafft: Zum einen ein wunderschönes Porträt ihrer Großmutter zu zeichnen, aber auch zum Nachdenken über das Sterben einzuladen und dieses als etwas zu relativieren, das zum Leben dazugehört und vor dem man keine Angst haben muss.


Ausblick auf den April Luises Ostergeschenktipps

Nur noch wenige Wochen und Ostern wird wieder vor der Tür stehen. Für diejenigen unter euch, die gerne frühzeitig Geschenke besorgen oder sich schon einmal inspirieren lassen wollen, hat Luise drei schnelle Geschenkbuchtipps:

Für Liebhaber:innen von Unterhaltungsliteratur mit literarischen Akzenten
„Flusslinien“* von Katharina Hagena – eine ereignisreiche Familiengeschichte, die einen nichtsdestotrotz locker leicht durch die Seiten fliegen lässt. Mit einem warmen Erzählton sowie sprachlicher Kraft bringt Hagena einen ins idyllische Blankenese im Frühsommer und erzählt von der 102 jährigen Margrit, die sich vor dem Vergessen schützen möchte und noch einmal in den Tiefen der Familiengeschichte gräbt. Und über ihre Enkelin Luzie, die mit der Scham ringt, nachdem sie in den letzten Sommerferien ein einschneidendes Erlebnis hatte. Sowie über den Pfleger Arthur, der mit einer Schuld zu kämpfen hat, die ihn nicht loslässt. Ein Roman mit Sogwirkung!

Für Freunde gesellschaftskritischer Literatur mit Spannung
„Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar, ein intensives Leseerlebnis mit Wendungen voller Wucht und über eine Freundschaft dreier junger, emanzipierter Frauen, die so schnell nichts auseinanderbringt. Ein Roman über Migration, Herkunftssuche und Chancengerechtigkeit, der aktueller nicht sein könnte. Mehr dazu hier.

Für (junge) Menschen, die anfangen wollen, sich mit Feminismus auseinanderzusetzen. Gerne auch Männer!
„Untenrum frei“ von Margarete Stokowski, welches zum Standardwerk der feministischen Literatur avancierte und einfach jede:r kennen sollte. Mehr dazu hier

Jetzt freuen wir uns schon auf unser gemeinsames Leseretreat im April. Im Münsterland, fast in der Mitte zwischen Köln und Hamburg, haben wir uns für ein Wochenende ein Zimmer in einem Wellnesshotel gebucht und werden dort viel Zeit mit Lesen und Wellness verbringen. Davon und welche Bücher wir gelesen haben berichten wir dann wieder im nächsten Monatsblatt.

*Lese- bzw. Rezensionsexemplare

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