Alles Ok? – Mark Uwe Klings „QualityLand“, eine Rezension

Eine Dystopie mit Humor, erschienen bei Ullstein Buchverlage September 2017

Zum Buch auf der Verlagsseite

Mark-Uwe Kling wurde bekannt durch seine Kurzgeschichten der Känguru-Chroniken, bei der er zusammen mit einem kommunistischen Känguru in einer WG wohnt. Jedoch verspricht sein neues Buch etwas anderes zu sein, eine vielversprechende Veränderung im Schreibstil und Buchgenre: Kann Kling dem gerecht werden?

QualityLand ist eine moderne Dystopie, die sogar in zwei Ausgaben erschienen ist, sowohl in einer hellen als auch dunklen Version. Dabei sollen sich diese beiden Versionen nur in den Werbeanzeigen unterscheiden, die regelmäßig im Buch auftauchen.

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Willkommen in QualityLand

Inhalt

In QualityLand spricht man im Superlativ. Alles ist nicht gut oder besser, sondern am besten. Es gibt nur die besten Technologien, Produkte und Ideen. Arbeit, Freizeit und Alltag sind von Algorithmen bestimmt. So streben die Bewohner QualityLands in aller Regel danach, sich stetig selbst zu optimieren. Mittels Qualitypunkten kann man sich sein Leben aufwerten und in höhere Gesellschaftsschichten, sogenannte Levels aufsteigen. Das bedeutet bessere Produkte, bessere Jobs und Lebenspartner  und mehr Handlungsspielraum, in dem was man tun und erreichen möchte. Als QualityLand gegründet wurde, sollte auch die Gesellschaft generalüberholt werden. So wurden die Leute nicht mehr nach mittelalterlichen Berufen wie Müller, Schmidt oder Bauer benannt, sondern nach den modernen Berufen ihrer Eltern am Tage der Geburt.

Drohnen kommen geflogen, um Produkte zuzuschicken, ohne das die jeweiligen Personen sie vorher bestellt haben. Die Online-Shops berechnen anhand von Algorithmen,  was man gerade bräuchte oder wolle. Sogenannte Ohrwürmer, eine Art technischer Assistent im Ohr, sind künstliche Intelligenzen, die einem durch den Alltag helfen. Möchte man etwas kaufen oder einen Vertrag unterschreiben, geschieht dies über einen Kuss auf dem Qualitypad, da Lippenabdrücke sicherer seien als Fingerabdrücke.

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Ein Kuss auf dem Qualitypad gilt als Unterschrift und Zahlungsmittel

Technologien, künstliche Intelligenzen und digitale Plattformen bestimmen das Leben in QualityLand. Was passiert jedoch, wenn man gar nicht in die Schublade passt, in die die Online-Welt einen schieben möchte – wenn die Algorithmen nicht stimmen? Was ist, wenn man gar nicht „OK“ drücken will, obwohl keine anderen Optionen möglich ist, da „OK“ in Qualityland die Antwort auf alles scheint?

Peter Arbeitsloser, bereits mit seinem Namen vorbelastet, bewegt sich mit seiner Lebensweise eher in den unteren Levels. Doch deshalb bedeutet es noch lange nicht, dass er all die Klischees erfüllt, die ihm von Unternehmen als Mitglied der Unteschicht in den Mund gelegt wird. Das bemerkt er spätestens dann, als er ein Produkt zugesendet bekommt, dass er gar nicht haben möchte, es aber nicht zurückgeben kann, da es angeblich seinem nach Algorithmen berechneten Wunsch entsprach.

Kritik

Das Internet sowie Technologien wie Laptops, Tablets und Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es sind Medien, mit denen wir kommunizieren, uns informieren und gleichzeitig auch organisieren. Sind wir mal ein paar Stunden vom Internet abgekappt oder habe unser Handy zu Hause vergessen, empfinden wir das als halbe Katastrophe.

Technologische Fortschritte und Entwicklungen vereinfachen vermeintlich unseren Alltag, in dem wir online einkaufen und darauf basierend durch Algorithmen neue Produkte vorgeschlagen bekommen. Werbung wird personalisiert und Informationen über uns gespeichert. Mit künstlichen Intelligenzen wie Alexa von Amazon oder Siri von I-Phone können wir unseren gesamten Alltag gestalten, ihnen Befehle geben, Informationen abrufen und seltsame Fragen stellen.

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Das Buch gibt es in einer hellen und dunklen Version, die sich in den Werbeanzeigen unterscheiden sollen.

In QualityLand zeigt Mark-Uwe-Kling in einer Dystopie auf, wie schnell dieser vermeintliche Fortschritt sich verselbständigen kann und zu Fremdbestimmtheit führt – zum Beispiel durch die Ohrwürmer, mit denen die Bewohner QualityLands scheinbar nicht mehr selbst denken müssen.

Mit dem Buch wird einem erschreckend vor Augen geführt, wie realistisch und nah bereits die Welt von QualityLand erscheint, wenn unsere Gesellschaft nicht lernt, bewusst und mit Medienkompetenz mit den Technologien umzugehen. Das Internet und Smartphones, künstliche Intelligenzen und Algorithmen sind geniale Erfindungen, die wir nicht missen wollen und müssen, solang wir kritisch mit ihnen umgehen und unsere Privatspähre und Selbstbestimmtheit wahren.

Anders als andere Dystopien ist diese von Mark Uwe Kling auf einer ungemein witzigen Art geschrieben. Ich hatte zu Beginn die Befürchtung, dass die vorherrschende Ironie dazu führt, dass alles eher ins Lächerliche gezogen wird und der sozialkritische Blick der Dystopie untergeht. Jedoch gelingt Mark Uwe Kling die Kür. Mit Ironie und intelligentem Humor unterhält er und spitzt gleichzeitig zu.

Fazit

Mark Uwe Kling beweist, dass er nicht nur humorvolle Kurzgeschichten schreiben kann, sondern sehr wohl auch einen gesellschaftskritischen Roman mit Tiefgang präsentieren kann. Gleichzeitig bleibt er seinem intelligentem Humor treu. QualityLand ist ein sehr empfehlenswertes Buch, welches sowohl gesellschaftskritisch und gleichzeitig unglaublich humorvoll ist.

Aber eine Frage hätte ich noch, Mark Uwe Kling: Wieso wurde das Buch in zwei Versionen gedruckt – entspricht es einen tieferen Sinn im Sinne der Philosophie von QualityLand, dass alles optimierter ist und so auch das Buch über QualityLand gleich in zwei Versionen existieren sollte, da doppelt eben vermeintlich besser als einfach scheint? Oder war es nur ein typischer Mark Uwe Kling Witz als Werbekampagne?

Was meint ihr? Habt ihr vielleicht eine Ahnung oder einen anderen Interpretationsvorschlag?

Willkommen in QualityLand – offizielle Webseite

2 Gedanken zu “Alles Ok? – Mark Uwe Klings „QualityLand“, eine Rezension”

  1. Sehr schöne Rezension. Mir hat das Buch auch sehr gefallen und ich finde Kling hat den Spagat zwischen Dystopie und Humor ganz wunderbar gemeistert ohne das es albern wird.

  2. Huhu!:)

    QualityLand! Seit Kurzem bin ich mal wieder auf einem Marc-Uwe Klingt Trip und habe entdeckt, dass er dieses Buch rausgebracht hat. Nur wusste ich bislang noch nichts davon. Dass ich jetzt hier die Rezi dazu lese passt perfekt ^-^ Es motiviert mich, auch zu seinem neusten Werk zu greifen. Ich habe schon die gesellschaftskirtische Art des Kängurus sehr gemocht. Bestimmt wird mir dann auch QualitaLand gefallen ?

    Liebe Grüße,
    Lydia

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